DOK Leipzig – zum Zweiten

11/02/2009 von tracktate

Es war eine schöne letzte Woche. Ich habe insgesamt 11 Filme gesehen. Rückblickend war Das Summen der Insekten das Highlight. Ich möchte aber nicht versäumen den geneigten Leser dieses Blogs noch auf zwei „Perlen“ aufmerksam zu machen:

1. SIDE BY SIDE (SIDE OM SIDE)

SIDE OM SIDE / SIDE BY SIDE from We Know Music on Vimeo.

Ein wunderbarer Film über den ganz normalen Wahnsinn.

2. AND THERE IN THE DUST

Die Unbeschreiblichkeit der Vergewaltigung eines 9 Monate alten Babys.

Ich komme nicht her, ich gehe hin

10/30/2009 von tracktate

Eine undefinierbare Anzahl von Geräuschen. Ein einziges Ziepen, Surren, Summen, Schnalzen, Pochen, Sirren, Flirren, Schwirren und Brummeln. Die Sonne bricht sich im dichten Blätterdach eines urwüchsigen Waldes. Trotz des wahnwitzigen Trubels strahlt dieser Ort vollkommene Ruhe aus. Der Protagonist des Films hat sich diesen Ort zum Sterben ausgesucht.

Mit einer zauberhaften Kamera, die den Zuschauer zum handelnden Subjekt erhebt, begibt sich Peter Liechti auf die Spurensuche nach einem Mann um die 40, der auszog um zu sterben. Man sieht keinen Mann, der allein im Wald verhungert. Man sieht den Wald mit seinen Augen. Später wird die mumifizierte Leiche von einem Weidmann auf Hasenjagd entdeckt. Zu diesem Zeitpunkt liegt längst Schnee. Das sommerliche bunte Treiben ist von einem dumpfen Weiß erstickt.

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Es ist diese erste fernsehkrimiaffine Ebene mit der „Das Summen der Insekten – Bericht einer Mumie“ beginnt. Schnee. Ein Leichensack. Der Wagen eines Bestattungsinstituts. Danach nimmt der Film den Zuschauer mit auf eine Reise ohne Wiederkehr. Eine Reise auf der mit jeder Minute mehr die Identifikation mit dem Todeswunsch des Hungernden wächst. „Man“ möge ihn doch endlich erlösen, „man“ möge ihm doch endlich seinen Wunsch erfüllen – „man“. „Man“ ist der Fährmann, das Licht, der schwarzgepunktete Schimmel, der über eine Wiese voller Morgentau trottet. „Man“ ist etwas, das auch der Protagonist Gott nennt, ohne gläubig zu sein. Es sind mannigfaltige Bilder, die ihn in Träumen heimsuchen, die seinen ausgemergelten Körper fiebertraumgleich sinnieren lassen – Die Fähre samt Kapitän, die ihn übersetzt in die andere Welt. Das Licht, das ihn ummantelt, gänzlich einschließt in eine Dimension ohne Körperlichkeit, ohne Zukunft und ohne Vergangenheit. Nur das Jetzt. Das Hier bleibt vorübergehend beklemmend.

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Das physische Nachvollziehen des über 60 Tage andauernden Hungerns. Tage, die nicht enden wollen. Nächte vor dem Radio mit Johann Sebastian Bach. Musik, die – wie er sagt – das Hungern vergessen macht. Ein unmenschlicher Schmerz. Sekunden, die sich wie Minuten anfühlen. Der Wunsch nach einer Uhr, die schneller vorantickt. Das Prasseln des Regens auf der halbherzig aufgespannten Zeltplane, das klingt wie sich nähernde Schritte. „Er“ fragt sich, was er wohl tun würde, wenn jemand kommt, um ihn zu retten. Als Zuschauer schreit es einem aus dem eigenen Gedankenpalast entgegen: „Nein! Es darf niemand kommen. Lasst ihn um Himmels Willen sterben.“

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Es ist der Wunsch der den Protagonisten eng neben einen selbst zieht. Jemandem einen Wunsch abschlagen von dem dieser überzeugt ist, der für ihn das Größte ist – für den er lebt – wer kann das?

Liechti unterbricht diese Ebene immer wieder. Wenn man an einem Ort ankommt, ist man ein Stück weit noch da, wo man herkommt. Die Sequenzen der vorbeifahrenden Züge, von Passanten in Fußgängerzonen – letztlich – der urbane Raum, verblasst immer mehr. Surreale Assoziationsketten stehen zwischen Sensenmann, Kettenkarussell und Messerwerfer nun im Fokus, entführen den Zuschauer und machen die Entscheidung des Protagonisten für 90 Minuten zur Eigenen.

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Der Protagonist kommt im Wald an und ist allein mit sich – allein mit dem Zirren, Flirren und Schwirren um ihn herum. Der Hunger macht ihn bereit hinüberzugehen. Doch der Fährmann lässt auf sich warten. An einer Stelle fragt er sich – am 40. Tag – warum Jesus jetzt gehen durfte und er selbst noch weiter hier siechen muss. Es soll noch über 20 Tage dauern. Bald kann er den Tod an sich selbst riechen. Er zieht ein. Er vernichtet erst den Körper, dann den Geist und zuletzt die Seele. Gut, dass er Eau de Cologne dabei hat.

Am Anfang und am Ende ist Licht. Endlich, denkt man. Ein Wunsch geht in Erfüllung. Dankbarkeit. Die Fragen, warum Menschen durch Verhungern aus dem Leben treten möchten, stellt sich erst später auf dem Nachhauseweg. So weit hergeholt ist das nicht. Erst einmal ist da aber nur Erleichterung. Ein Mann macht sich auf um hin zu gehen. Auf diese Reise vermag Peter Liechtis Film eindringlich mitzunehmen. Wo er herkommt, was ihn antreibt und wie eine Gesellschaft aussieht, die Menschen diesen Weg gehen lässt – mit diesen Fragen bleibt der Zuschauer allein. Darin liegt wohlmöglich die große Kunstfertigkeit des Filmemachers dem Stoff gegenüber. Bei Liechtis Dokumentarfilm handelt es sich schließlich um die dokumentarische Inszenierung eines fiktionalen Textes, der auf einer wahren Begebenheit beruht.

 

Hier kann man sich einen Trailer ansehen.

„Das Summen der Insekten – Bericht einer Mumie“ lief gestern im Rahmen des 52. Internationalen Leipziger Festival für Dokumentar- und Animationsfilm.

Weltuntergangsstimmung Galore – Junius live in Chemnitz

10/25/2009 von tracktate

Wenn Chemnitz seine Enthusiasten nicht hätte, sähe es mau aus. Diese Enthusiasten organisieren seit vielen Jahren immer wieder feine kleine Konzerte im kleinen Saal – St. Etienne genannt – des AJZ zu ehemals Karl-Marx-Stadt. Als verwöhnter Leipziger findet man leider viel zu selten den Weg in die beschauliche Stadt der Moderne um im jeweils überschaubaren Publikum tolle Bands zu sehen.

Der Chemnitzer an sich geht gerne zu den DödelhaienAgnostic Front und Fettes Brot. Um progressive, kleine, unbekannte aber ungemein liebenswerte Independent Indie-, Punk-, Postrock-Bands macht er aber einen Bogen. Womit wir wieder bei den Enthusiasten wären, die den Kopf nicht in den Sand stecken.

Gestern waren Tone, September Malevolence und Junius zugegen. Als wir Punkt 22.00 ankamen – zu einer Uhrzeit also, bei der in Leipziger Konzertlokalitäten frühestens angefangen wird – spielten Tone schon ihr letztes Lied. Tone kommen aus Dänemark und machen Laptop-Core. Sozusagen. Eine Frau, ein Mann, zwei Computer, ein paar Effekte und eine begleitende Videoinstallation. Diese war – zumindest während des letzten Songs – ohne Gnade belanglos.

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September Malevolence kommen aus Schweden und machen Post-Rock. Da ist es dieser Tage schwer das Rad neu zu erfinden. Noch schwerer ist es nicht wie alle zu klingen. In kleinen Momenten schafften das die vier – typisch schwedisch – adrett frisierten und gekleideten Herren. Insgesamt aber fehlen die dynamischen Berg- und Talfahrten, die stimmliche gänsehautverursachende Tiefe und die kompositorische Überraschung. September Malevolence sind nett. Und nett sind viele.

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Dann Junius aus Boston. Ein Gesamtkunstwerk. Drei von vier Juniusisten trägt das gleiche Paar Schuhe. Der Schlagzeuger spielt barfuss. Auf der Bühne malt nur eine Farbe. Schwarz. Diese Band vermag ein Soundgewitter heraufzubeschwören. Das ist durchaus im wörtlichen Sinne gemeint. Zunächst das Gewitter: Schlagzeug und Bass sind das was man eine Einheit nennt. Alles auf den Punkt. Kein überflüssiger Bombast. Kein „der Basslauf passt zwar nicht, aber schau mal wie schnell und gut ich spiele“. Beide Instrumente bilden gleichsam den Hintergrund, das Firmament vor dem die beiden anderen Protagonisten für Blitz und Donner sorgen. Ein Gitarrist ist ein Schlaks vor dem Herrn und hat den gleichen Frisör wie Kurt Ebelhäuser. Er ist ein Leisetreter. Einer der für die richtige Stimmung sorgt. Der den Donner anstachelt und den Blitz herausfordert. Für beides ist gleichzeitig Sänger und Gitarrist Joseph E. Martinez zuständig. Seine Stimme ist der Donnerhall. Ganz geradlinig, sonor und mitreißend. Dieser Mann wirkt wie einer der gerne mal im Wald übernachtet und zu Selbsterfahrungszwecken Ameisen isst. Seine Gitarre ist dabei seine Wünschelrute. Mit ihr sucht er den Blitz. Hat er ein elektromagnetisches Feld ausgemacht, kommt die Entladung.

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Was machen Junius? Sie machen Rock. Sie sind irgendwie auch Hardcore. Eigentlich aber sind sie Punk. Mhm. Ich sagte zu Beginn sie beschwören ein Soundgewitter herauf. Wie das Soundgewitter entsteht, dürfte jetzt klar sein. Die Verschwörung verrät mehr über das, was Junius machen. Sie erschaffen eine eigene Welt. Diese beruht auf ihrem neuen Album „THE MARTYRDOM OF A CATASTROPHIST“ auf den Ideen des Wissenschaftlers Immanuel Velikovsky. Es geht um Katastrophen, den Weltuntergang und die Idee welchen Einfluss das alles auf die gesellschaftliche Psyche hat. So klingen Junius.

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Mich haut die Band um – auch noch aus einem anderen Grund. Sie stehen in einer Welt der digitalen Downloads ein für das haptische Erlebnis Musik. Ihre LP erscheint als Doppel-Vinyl mit einem 16-seitigem 12“ großen Begleitheft. Zu jedem Song gibt es eine Illustration. Weltuntergangsstimmung Galore. Das Vinyl ist farbig und sieht aus wie eine Tasse Kaffee in die man gerade Milch gegossen hat. So muss das sein.

Ein Blogeintrag über das Nicht-Bloggen

10/11/2009 von tracktate

Jetzt ist genau das passiert, was man eigentlich nicht möchte in so einem Blog, wie ich ihn habe: Gähnende Leere, keine Frequenz von Einträgen, die den Lesern das Gefühl gibt in meinem Leben passiert eine Menge. Ich untergrabe damit das, wofür das Bloggen eigentlich steht. Nun man kann entgegenhalten das genau dieses unausgesprochene, aber von jedem Blogger verinnerlichte Mantra, ja auf der anderen Seite dazu führt, dass die Blogosphäre zu 95% aus Schrott besteht. Wie schön ist es dann, dass ich mich nicht am Abwracken meines Lebens beteilige. Dabei gibt es eigentlich eine Menge zu erzählen, das nicht auf Informationsfriedhöfe gehört, sondern vielleicht vielmehr vermag dem einen oder anderen ein Lächeln, ein Mitfühlen, ein Wiederentdecken oder ein Verstandenfühlen abzuringen.

Ich hätte sehr gerne noch den Bericht zu Tschechien Pt. II verfasst, in dem es um den Ausflug nach Terezín gehen soll. Ich wäre gerne erneut ins Schwärmen geraten beim Verschriftlichen der mich von Kopf bis Fuß umgarnenden Präsenz eines Chuck Ragan bei seinem Leipzig-Gastspiel. Dasselbe gilt für die unnachahmliche Darbietung von Prinz J. „Gandalf“ Masic und seinen Juniordinosauriern. Am allerliebsten aber hätte ich gerne von meinem Kampf mit einem Hecht an meiner Angel im Dagowsee berichtet, welche Adrenalinausschüttungen damit verbunden waren und wie ich am Ende zitternd, mit abgerissenem Stahlvorfach in den Händen, traurig, rauchend und ernüchtert auf dem Boot saß, während um mich herum die kleinen Schwarmfische die letzten Sonnenstrahlen des Tages mit kleinen Sprüngen aus dem Wasser zu erhaschen versuchten. Das hätte ich gerne erzählt. Auch wie ich William E. Whitmore traf und wir uns über Heimat unterhielten – über Iowa, Zeitz, Lombas im Sambischen Dschungel und wie er versucht mit dem Banjo bewaffnet die Kojoten zu vertreiben. Als er dann im altehrwürdigen UT-Connewitz auf die Bühne trat und gleich zu beginn „l’m Building Me A Home“ anspielte und mir eine kleine Gänsehaut – wiederum von Kopf bis Fuß – sagte: „Gut, dass du hier bist mein Junge.“

Es passiert also eine Menge und ich schreibe nicht darüber. Weil mir nicht danach ist – viel zu oft nicht danach ist. Weil ich enttäuscht bin, wenn man nach 2,5 Jahren per E-Mail gekündigt wird. Nicht über den Fakt an sich, sondern aufgrund der Art und Weise. Weil ich einen Hals bekomme, wenn das was in Leipzig „friedliche Revolution“ genannt wird 20 Jahre danach zum Event verkommt und auf den Handyfotokameras die „kerzende 89″ gleich nach WM 2006 und Beachvolleyballtunier gespeichert wird. Weil ich es als schreiend ungerecht empfinde, dass ich mir seit Jahren den Buckel wund arbeite, um mein Studium zu finanzieren, trotzdem auf Unterstützung meiner Eltern angewiesen bin und – obwohl ich dazu sehr sparsam bin – nie Geld habe. Weil so viele dickärschige Mitmenschen nichts von alledem nachvollziehen können, geschweige denn erlebt haben, aber mir trotzdem immer eines voraus haben: Mein schmaler PoPo ist noch meilenweit von der Wand entfernt, während ihr dickes Hinterteil schon am anschmiegen ist – kurz unterbrochen, um Kaffee zu bestellen.

Weil ich nie Zeit habe mich um die wichtigste Sache derzeit zu kümmern – das Schreiben meiner Magisterarbeit. Weil es eine bodenlose Erfahrung ist bei meinem zweiten von drei Jobs im Altenheim nach 9 Monaten psychisch wie physisch zu erfahren, dass dieses Pflegesystem für alte Menschen wie auch für das Personal eine Demütigung, Ohrfeige und auf Deutsch unmenschlich ist.

Zu allem Überfluss brechen dann noch Instanzen weg – gute, liebe Menschen gehen für ein paar Monate weg und meine Band legt sich auf Eis, weil die ideelle Lebensgemeinschaft, die wir mal hatten, zerstört ist.

Was ich eigentlich sagen will: Ich sitze das alles aus, melde mich hier und da, gebe die Abschlussarbeit ab, mache den einen oder anderen Job und melde mich ab 1.4.2010 für Hartz IV an – dann geht’s hier richtig los.

Impressionen aus Tschechien Teil 1: Gedenkstätte Lidice

08/22/2009 von tracktate

Im Sommer 1942 ging die Welt unter in Lidice. Das Terrorregime der Nazis zeigte der tschechischen Zivilbevölkerung seine hässlichste Fratze. Nach dem erfolgreichen Attentat auf den „stellvertretenden Reichsprotektor von Böhmen und Mähren“ Reinhard Heydrich statuierten diese ein Exempel. Die Zivilbevölkerung sollte ‘erfahren’, welche Folgen Attentate, Protestaktionen oder Boykotte gegen die Nazis haben.

Alle Männer wurden erschossen. Die Frauen in ein Konzentrationslager deportiert. Die Kinder in ein Jugendkonzentrationslager gebracht und vergast. Die Nazis löschten den Ort aus:  Nachdem sie alles niedergebrannt hatten, wurden alle Häuser eingerissen und der gesamte Ort eingeebnet. Lidice und seine Bewohner wurden vernichtet.

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Wenn man heute nach Lidice fährt, steht man auf einem Hügel. Im Rücken befindet sich das 2000 neu geschaffene Museum und das monströse sozialistische Denkmal. Vor einem wellt sich der Hügel einen seichten Abhang hinunter. Das Areal mutet im ersten Moment wie eine Parkanlage an – sauber und gepflegt. Leicht rechts versetzt steht die imposante Skulptur zum Gedenken der Kinder von Lidice, die verschiedene Künstler gemeinsam gestaltet haben. In der Senke, die sich am Fuße des seichten Abhangs abzeichnet, erkennt man an niedrigen Mauerüberresten die Kirche – neben einem kleinen Ausschnitt der Grundmauern des Gehöfts auf dem die Männer aus Lidice erschossen wurden die einzigen Überreste. Gemeinsam bilden diese Mauern steinerne Überbleibsel, die daran erinnern, dass hier mal ein böhmisches Dorf mit Dorfteich, Kirche, Schule, Dorfkneipe, Fleischerei, Bäckerei, Schmiede und vielen Bauerngehöften existierte.

lidice_2Das Besondere bei dem Rundgang über das Gelände ist dem Museumsbesuch im Vorhinein zuzuschreiben. Das Museum ist klein. Mit seinen kahlen Betonwänden versprüht es einen modernen Charme und mag nicht so richtig zu dem großen Mahnmal aus kommunistischer Herrschaft vor der Eingangstür passen. Der Rundgang umfasst acht Stationen. Die erste ist ein Video, das die Geschichte Lidices im Sommer 1942 kurz umreißt. Das ummantelnde Konzept wird hier schon offenbar: Im Mittelpunkt steht die Konterkarierung der Fakten. Dorfbewohner bei der Ernte in einem idyllischen Sommer vs. aufmarschierende Truppen in Prag, verliebte Pärchen auf einem kleinen Kahn rudern über den Dorfteich vs. Adolf Hitler auf dem Reichsparteitag. Die Bilder auf den drei Leinwänden überlagern sich – visuell wie auditiv. Man weiß nicht, wo man zuerst hinschauen soll. Der Abriss der Ereignisse fühlt sich an wie Karussell fahren.

Die Ausstellung selbst ist in sieben Stationen unterteilt und setzt die Überlagerung der Geschehnisse fort. Video-, Bild- und Toninstallationen zeichnen die Geschichte des Ortes im Sommer 1942 nach. Auch wenn man gerade Fotos an Station 6 betrachtet, hallen die Marschgeräusche der Truppen und die Jubelschreie der Sudetendeutschen 1939 beim Einmarsch der Wehrmacht von Station 3 herüber. Das Allgemeine ist vom Besonderen nicht zu trennen. Alles verknüpft sich miteinander und überlagert, verfitzt sich.

lidice_4Und dann tritt man wieder hinaus aus dem fensterlosen modernen Betonrundbau. Das Sonnenlicht blendet. Die Vögel zwitschern. Entfernt hört man die Bundesstraße und die vorbeirauschenden Autos. Es sind nur ein paar Schritte bis zum Kamm des Hügels von dem aus der Blick ins Tal, in dem Lidice stand, möglich wird.

Man läuft den kleinen asphaltierten Weg den Hügel hinunter. Es hat den Anschein als laufe man nicht durch einen Park. Man kann spielende Kinder hören, das Lachen der Mädchen beim Heueinholen, das Klappern der Holzräder der Bollerwagen auf denen große Brüder kleine Brüder über den Dorfplatz ziehen. Man hört das Aufschlagen der Pferdehufe. Es rollen schwerbeladene Wagen mit Getreide vorbei.

Das überlagern der Bilder, Filmaufnahmen und Tondokumente im Museum lässt einen nicht los. Die Unvorstellbarkeit der Geschehnisse entfaltet sich langsam. Mit jedem Schritt Richtung Senke verschwinden die Bilder und Töne. Da ist wieder nur der Park, die Vögel und der wolkenlose Himmel. Im Gästebuch des Museums hat ein deutscher Mann eine Botschaft hinterlassen: „Nun bin ich 65 Jahre alt und schäme mich mal wieder Deutscher zu sein.“

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Playlist rilleradio 22.08.2009

08/22/2009 von tracktate

Eben wieder rein zu Hause aus der radio blau Zentrale. Schön wars!

01. Samiam – Factory
02. Chuck Ragan – Cut em down
03. Tom Gabel - Cowards sing at night
04. Chuck Ragan – Don’t say a word
05. Boxhamsters - Schluchtenflitzer
06. Biestig – Ich hör dir zu
07. The Solution – You never liked me somehow
08. Dinosaur Jr. – I want you to know
09. Dinosaur Jr. – Budge
10. Propagandhi - The funeral procession
11. Paint it Black – Surrender
12. Randy Crawford – Street Life
13. Eels - In my dreams
14. Woyzeck - Zaun & Gräben
15. Eels – My timing is off
16. Warning - Faces
17. Manfred Krug – Liebe kleine Schaffnerin
18. William Elliot Whitmore – Hell or high water
19. Monozid - Waiting for the circus
20. Big Drill Car – What you believe

Crottendorf laden zum schwimmen ein im Stadtbad Leipzig

08/03/2009 von tracktate

glühbirnen_feuerringeDas Leipziger Stadtbad hat seine besten Zeiten hinter sich. Grau und etwas schäbig steht es an der Eutritzscher Straße. Seit einiger Zeit jedoch flammt Hoffnung auf, das alte Gemäuer nicht einem schleichenden Verfall ausgesetzt zu sehen, denn eine Stiftung hat sich des Kulturdenkmals angenommen und versucht nun mit allerlei Brimborium öffentlichkeitswirksam für den Erhalt des Gebäudes und dessen kulturelle Nutzung zu werben.

Die FilmKunst Sommertour ist eine feine Sache, denn so kommen im Sommer die Filme zu den Biergartenverliebten, während der Kinosaal bei schönem Wetter meist leer bleibt. „Aus der Not eine Tugend gemacht!“, nennt man das und dazu die Verhältnisse verkehrt, denn nun kommt der Berg wahrlich zum Propheten.

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Der Auftakt der Sommertour fand in besagtem alten Stadtbad statt und wurde neben den Kurzfilmen umrahmt von einer Fotoausstellung und einem Konzert der Leipziger Instrumental-Post-Rock-Band CROTTENDORF.

Das Ambiente des alten Stadtbades ist einmalig und als Kulisse für Kulturveranstaltungen gleichsam prädestiniert: Man wähnt sich weniger in einem Bad, das im wesentlichen zum Zwecke der Körperpflege und körperlichen Ertüchtigung errichtet wurde, als vielmehr in einer Mischung aus 1000 & eine Nacht, orientalischem Großmarkt und Space Night. Dazu trägt vor allem die orientalische Damensauna bei, die einen mit ihren feingliedrigen Mosaiken zum Verweilen anhält.

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Die spärliche Beleuchtung im ganzen Objekt regt darüber hinaus jeden Hobbyknipser zu kleinen fotografischen Experimenten an. Die Fotoausstellungen hab ich leider nur am Rande mitbekommen, ebenso wie die Kurzfilme, denn die Eingangshalle des Bades war bis auf den letzten Platz besetzt. So wartete ich eine ganze Zeit lang draußen an der frischen Luft, während immer mehr bekannte Gesichter eintrafen. Ich wurde Zeuge wie sich CROTTENDORF vor ihren Konzerten gegenseitig massieren, und konnte einen Punker erspähen, der den tollsten und „old schooligsten“ aller Nietenlederjacken Jeanswestenslogans auf seiner Jacke spazieren trug.

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CROTTENDORF haben mir in der Empfangshalle des Stadtbades dann sehr gut gefallen. Da die Band erst seit einem Jahr zusammenspielt, gab es natürlich noch die einen oder anderen Längen in ihren Kompositionen, aber von den etwa acht abwechselungsreichen Songs konnte knapp die Hälfte sehr überzeugen – vor allem dann, wenn eine der beiden Gitarren ein sich immer wiederholendes Thema spielte, das den Song gleichsam ummantelte. Die elektronischen Einsprengsel fügten sich sehr dezent in die klassische Besetzung Bass, Gitarre und Schlagzeug ein.

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Alles in allem ein schöner Abend - und wenn ihr einmal über die Ankündigung einer Veranstaltung im alten Stadtbad stolpert, dann lasst Euch die Gelegenheit diese fulminante Location einmal zu besuchen nicht entgehen!

Das große rilleradio Sommermixtape

07/26/2009 von tracktate

Früher machte man sich Mixtapes. Eine liebgewordene Tradition bei rilleradio/TRACKtate ist es ein Sommermixtape über den Äther zu jagen. So wie damals. 60min. A und B Seite. Mit Pause zum Kassette rumdrehen. Es geht von Soul, Blues-Rock und Songwritern für die lauen Sommernächte auf Bundesstraßen bis hin zu den Mitgröhlhits für die Rückbank.

Nun gehen wir ja alle mit der Zeit. Wer hat denn noch einen Kassettenrekorder? Und wenn man einen hat, dann meist an einem Ort, wo man eher selten Musik hört. Im Auto dürften alle, die ein Auto nicht älter als fünf Jahre haben (wo man nicht mal mehr selbst das Autoradio aus- und ein Neues einbauen kann) sowieso keine Musik von Kassette mehr hören.

Deswegen gibt es hiermit:

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das MIXTAPE zum Download. Ganz modern – Für I-Pod, CD-R, MP3-Player…

HIER

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auch noch das Cover.

Viel Spaß!

Die Zeit, wo die Erinnerung an die Stelle der Hoffnung tritt…

07/23/2009 von tracktate

…ist angebrochen.

Im Dasein des nebenberuflichen Plattenauflegers kommt es vor, dass junge Menschen den Ort des Geschehens betreten. Meine Lieblingsbeschäftigung – geboren aus einem Gefühl von Langeweile und Misanthropie – ist es Gäste bei Betreten des Lokals mit einem kurzen Blick zu streifen, um unmittelbar daraus abzuleiten, was aufzulegen ist, damit der Gast

1) nicht kommt und sich was wünscht (das könnte ist fast immer Mist)

2) nicht kommt und Dinge sagt wie: „Mach doch mal was aus den 80ern“ oder „Haste Funk?“

Es geht also um Schadensbegrenzung einerseits und aber auch andererseits -und das ist paradox, weil fast philanthropisch – auch um die Freude am Lächeln des Gastes. Dieses kann man zaubern, wenn man mit seiner musikalischen Intuition richtig liegt und einen Künstler oder einen Titel aussucht, der dem Gast gefällt, der ihn zum Verweilen einlädt, ohne dass er hätte Kontakt zum Plattenaufleger aufnehmen müssen.

Gestern betraten richtige Punks die Szenerie: Lederjacken, Nieten, „Gegen Nazis“ prangt groß auf dem T-Shirt und die Flasche Wilthener Kräuter machte die Runde. Nun bin ich auch Punkrocker. Ohne die dazu passende Frisur, was immer dazu führt, dass richtige Punks mich gar nicht „ernst nehmen“. Das war früher schon so und ist es jetzt noch. Richtige Punks zahlen eine Runde Bier in einer kleinen Kneipe übrigens mit EC-Karte, setzen sich dann hin und grölen ein bisschen. Die drei Jungs und zwei Mädchen hatten sich auch alle so lieb, dass ein Mädchen gleich mit zwei der Jungs knutschte.

Ich dachte in einem Anfall von Unverstandenfühlen, Nicht-Ernst-Genommen-Werden und Philanthropie es wäre vielleicht schön den richtigen Punks ihren nicht ganz billigen und ihren Gewohnheiten widersprechenden Aufenthalt in der Kneipe zu versüßen. Womit? Na klar – mit Musik.

Die Playlist liest sich darauf wie folgt:

Die Skeptiker – Deutschland Halts Maul

WIZO – Kopfschuss

The Clash – This is radio Clash

Ramones – Pet Cematary

Terrorgruppe – Tresenlied

Ich traute meinen Augen nicht. Die richtigen Punks kannten das, was da aus den Boxen ertönte, nicht; zumindest war aus ihren Reaktionen in keiner Weise Freude, Begeisterung oder Ähnliches abzulesen. Sie saßen da, als ob ich meine zuvor laufende (im Moment ihres Betretens der Kneipe) Blues-Soul-Songwriter-Schleife weiter am zubinden gewesen wäre, um sie im Finale mit Etta James zum krönendem Abschluss zu führen.

Ich überlegte hin und her. Die Arroganz des DJ’s ist oft sein bester Freund. Wenn richtige Punks aber The Clash und die Ramones nicht als das erkennen, was sie sind, ist das sehr traurig. Bildungslücke.

Aber was ist mit den anderen Songs? Ist das nicht der Soundtrack zu diesem Lebensgefühl? Er war und ist es – aber für Menschen jenseits des 25. Lebensjahres. Die kleine Punkrockrunde gestern war demnach die Zeit, wo die Erinnerung an meine richtige Punk-Zeit in den 90ern an die Stelle der Hoffnung trat, dass die richtigen Punker anno 2009 irgendwas mit mir teilen würden. Ein Lebensgefühl zum Beispiel. Billy Talent ist nicht Punk. In diesem Sinne. Ich bin alt.

„Und action!“ – Inselbühne-Robotniks vs. humanoide Zuschauer

07/10/2009 von tracktate

Es gibt diese Abende mit Freunden, an denen ein geklauter Kalauer den nächsten jagt. Es sind die Abende, wo eine Diskussion von dem Einbinden des richtigen Filmzitats an der richtigen Stelle lebt; vielleicht etwa so:

„…Genau oder die Szene wo der „Dude“ sagt: ‚Ich bin nicht Mr. Lebowski, Sie sind Mr. Lebowski. Ich bin der Dude. Und so sollten Sie mich auch nennen, ist das klar? Entweder so oder Seine Dudeheit oder Duder oder auch El Duderino, falls Ihnen das mit den Kurznamen nicht so liegt.’, endgeil Alter, oder? – Erik hat sich von Marie getrennt – habt ihr schon gehört? – Ach komm schon, nicht so ein Terz jetzt – ich sag nur »Trainspotting«: ‚Haste keine Kohle, kannste dich nicht besaufen. Haste Kohle, säufst du zuviel. Haste keine Braut , kannste keine Nummer schieben. Haste ne Braut, gibt’s nur Stress.’, sagt ja wohl alles, oder? – Bedienung! 3 Bier! – Ihr seid echt zwei Typen. Das mit Eric ist wie in »Reality Bites«, und meine Lieblingsszene, die, wo Winona Ryder Troy mal die Meinung geigt und sagt: ‚Du leidest am Philosophen-Groupie-Syndrom. Du hast einen Intelligenzquotienten von 180. 10 Punkte vom Abschluss in Philosophie entfernt und trotzdem fällst Du immer wieder auf diese dummen Gänse rein, die Dich anhimmeln.’, bringt genau auf den Punkt…, Moment mal Anna – verheimliche uns aber nicht Troy’s Reaktion, der sagt doch so was wie: ‚Sie sind nicht dumm. Sie sind nur sehr deprimiert.’, womit wir dann bei Marie wären, aber Leute kommt schon, ist doch egal – Hat jemand schon den neuen Woody Allen gesehen? …“

Am besten funktionieren diese Gespräche, wenn alle Beteiligten eine ähnliche Filmsozialisation erfahren haben. Dann wundert man sich gemeinsam mit jedem Getränk mehr aus welcher hinterletzten Ecke man selbst erstens die ganzen Erinnerungen an kleinste Filmschnipsel holt und zweitens, wie man sich keine 10 Seiten des Lernexzerpts merken, aber anscheinend den halben »The Big Lebowski« auswendig mitsprechen kann.

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Das Sommertheater der Inselbühne und der Moritzbastei Leipzig setzt mit der Inszenierung „Und action!“ genau auf dieses Phänomen die Krone, in dem es nämlich unter der Regie von Volker Insel einen bunten Sommertheaterabend präsentiert, der sich des „Verwurstens“, des Aneinanderreihens und Ineinanderverschränkens von Filmzitaten annimmt.

Der Handlungsrahmen ist grob aber einleuchtend. Sechs außerirdische Roboter, mit Nummern als Namen, werden von ihrem Zentralcomputer auf eine Exkursion zur Erde geschickt. Um im Umgang mit dem „humanoiden Material“ nicht allzu blöd aus der Wäsche zu schauen, wird der Ernstfall geprobt. Ein ums andere „Artefakt“, in Form einer VHS-Kassette, verlässt den Eisschrank und manövriert Siebenundvierzig Elf, Null-Acht-Fünfzehn, Neunzehn Neunundachtzig und die anderen in „lebensechte Situationen“. Diese echten Lebenszustände kennt der filmsozialisierte Zuschauer aus Hollywood. Immer tiefer dringen die außerirdischen Roboter so in die Materie ein, bis sie am Ende eine Erkenntnis haben.

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Die Inszenierung spielt geradeso mit den Assoziationen und dem Erinnerungsvermögen ihres Publikums. „Das kommt mir doch bekannt vor.“, kann man aus stirnrunzelnden Gesichtern lesen. Laute Lachsalven ertönen, wenn jemand weiß oder zu wissen glaubt, welches Video die Robotniks gerade nachspielen oder besser für sich erlebbar machen. Das ist an vielen Stellen zum Schreien komisch – der Roboter „Drei Komma Eins Vier Periode“, der aussieht wie ein eingegipster Conehead, schmückt in Anlehnung an einen berühmten Western sein haarloses Haupt mit einem Cowboyhut. Zwei Knarren und ein geheimnisvoller Koffer nebst einer Afrofrisur machen ferner flugs deutlich, dass Roboter 1989 hier wohl gerade das Seelenleben von Samuel L. Jackson in einer seiner berühmtesten Rollen erkundet. Das alles in Roboterkleidung  - detailverliebt aus glitzernden Ornamenten und Ohren aus Abflusssieben zusammengesetzt. Das jeweilige Hüpfen von der Roboter- in die Videowelt wird zum roten Faden des Stücks.

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Dieser rote Faden ist nur, trotz aller gut platzierten Lacher und dem überzeugenden Spiel aller Protagonisten, die immer wieder zwischen ihrer Roboter-Rolle und einer Film-Rolle wechseln müssen, auch das, was einem nur zu schnell klar vor Augen liegt, durchschaubar ist und eine mögliche Dramatik untergräbt. Schon nach kurzer Zeit ist daher jedem Zuschauer klar geworden, dass die Roboter in den nächsten 90 Minuten eine Videokassette nach der anderen aus dem Schrank holen, um sich in punkto Verhalten auf die Erde vorzubereiten. Darunter leidet das Stück phasenweise, denn der fehlende Spannungsbogen kann nur kompensiert werden, wenn das Publikum in seinen Assoziationen und aus seinem Fundus an Filmwissen schöpfen kann. Kennt ein Zuschauer den Film nicht, ist es zu verkraften, dass sich die Gags nicht in vollem Umfang erschließen; wenn dann aber so auch dieser Spannungsbogen zur Ebene mutiert, hat man letztlich nichts mehr zu lachen und nichts mehr, um von der Handlung gleichsam gebannt und gefesselt zu sein.

Vielleicht geht es aber darum auch gar nicht. Vordergründig geht es um bestmögliche Unterhaltung und die gelingt auf höchstem Niveau fast durchgängig. Das Bühnenbild und die Requisite ist – abgesehen von den aufwendigen und zauberhaften Roboter-Outfits – reduziert und trotz oder gerade deswegen stets pointiert. Licht- und Ton geben dem Zuschauer nicht nur dezente Hinweise, sondern die akustischen und visuellen hammerschlaggleichen Zeichen, wenn es vom Raumschiff, in die Videokassette und wieder zurück geht. Die Schauspieler spielen wahrlich miteinander – man spürt wie sie trotz großer Konzentration auf die schnellen Wechsel der Welten aufeinander eingehen und einander zuhören und sich allesamt die anspruchsvollen, schnellen Übertritte in die „humanoiden“ Rollen gegenseitig so geschmeidig wie möglich machen wollen. Jeder kann in diesem Ensemble überzeugen – ob als Roboter oder als legendäre Filmrolle. Allen voran verzückt Andreas Guglielmetti als Roboter „Drei Komma Eins Vier Periode“ – er springt immer wieder gekonnt und mitreißend aus seiner Roboterrolle in die eines „Filmstars“, ohne sich dabei zu verheddern, auch wenn die Charakterfärbung unterschiedlicher nicht sein könnte.

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Der Inselbühne ist eine humorvolle und energiegeladene Unterhaltungs-Sommertheater-Show gelungen, die den Fans des MB-Sommertheaters aber auch Filmfreaks aller Orten einen amüsanten Abend feil bietet. Der Minuspunkt durch die recht vorhersehbare Handlung gilt eigentlich nicht wirklich – letztlich sind viele, der in „Und action!“ „verwursteten“ Filme, im Original nicht anders aufgebaut – man weiß schon nach 10 Minuten was passieren wird – so ist die Inszenierung von Volker Insel letztlich konsequent in ihrer Umsetzung, da sie einem so nicht nur die unterirdische Dialogtiefe mancher Hollywood-Schinken humoristisch vor Augen hält, sondern auch zeigt, wie durchschaubar eigentlich deren Dramaturgien sind.

“Und Action!”  läuft seit Dienstag, den 07. Juli 2009 im Sommertheater der Moritzbastei. Der Eintritt kostet 15,-/10,- Euro. Beginn ist jeweils 20.30 Uhr.

Weitere Termine:
Freitag, 10.7.
Samstag, 11.7.
Sonntag, 12.7.
Freitag, 17.7.
Samstag, 18.7.
Sonntag, 19.7.
Dienstag, 21.7.
Mittwoch, 22.7.
Donnerstag, 23.7.
Freitag, 24.7.
Samstag, 25.7.
Sonntag, 26.7.

Mit bestem Dank an Detlev Endruhn für die Fotos und an Josi Mark von der Moritzbastei.