Best Of 2010

29 Dez

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Es ist mir eine liebgewonnene Tradition geworden, am Ende eines Jahres zurückzuschauen auf das, was dieses Jahr musikalisch für mich bereithielt. So entsteht eine „Best of 2010“, die einen Song für Song in die emotionalen Höhen und Tiefen des Jahres zurückzuversetzen vermag. An dieser Stelle möchte ich allen Lesern dieser Internetpräsenz dieses Potpourri nicht vorenthalten. Ich füge hier einen Link an, der zum Dowload führt – ohne Anmeldung oder Registrierung.

Downloadlink „Best of 2010“

Für Internetjunkies habe ich hier noch eine spezielle Onlineversion des Soundtracks zu 2010 erstellt:

01. Broken Bells Ich hätte nicht gedacht, dass mich diese Band vom Hocker hauen könnte. So eine richtige Band sind Broken Bells auch gar nicht – eher ein Projekt des The Shins Sängers James Mercer und des Produzenten Brian Burton. Was die beiden sonst so fabrizieren, berührt mich weniger, aber mit ihrem selbstbetitelten Album ist ihnen meine Platte des Jahres 2010 gelungen. Alles aus einem Guß, wunderbare Beats, eine ummantelnde Athmosphäre. So oft lief bei mir 2010 keine andere Platte.

Hier kann man sich ansehen was die Große Gruppe im Kindergarten von Broken Bells und ihrem Song Mongrel Heart hält. Da wird Musikjournalismus an seinen wahren Kern herangeführt…

02. Leatherface – God is dead Frankie Stubbs, Mastermind hinter Leatherface, ist wütend – „Wartime leaders get Nobel-Peace-Prizes; God is dead, He is definitely dead“ DAS Punkrockalbum 2010.

03. Frank Turner – The Desperation’s Gone (NOFX) Wo wir doch bei Punkrock sind – NOFX sollte ich dieses Jahr endlich zum Interview vor mein Mikrofon bekommen; Sänger Fat Mike war aber etwas zu betrunken nach ihrem Auftritt beim WITH FULL FORCE FESTIVAL. Interview vertagt. Die ganze Geschichte dazu hier. Frank Turner indessen covert hier einen meiner Top-3-NOFX-Songs of all times und hat mich damit nicht für seine eigenen Songs begeistern können, wohl aber für seinen guten Musikgeschmack.

04. Aimee Allen – Santeria (Sublime) Und wo wir gerade bei Coverversionen sind – Sublime ist (gähn) nicht wirklich meine Baustelle, aber diese Coverversion von Mrs. Allen entdeckte ich im Weltnetz und verliebte mich. Gott (siehe Track 2) weiß warum… auf jeden Fall ist die Datei seit März auf meinem mp3-Player. Outing.

05. Murder by Death – Foxglove “Mord durch Tod”  ist ein Bandname für den Olymp der Bandnamen. Seit vier Jahren schon fressen sich die Berufsmelancholiker mit jedem neuen Album tiefer in mein Herz. Die 2010er Platte „Good Morning, Magpie“, die so beschwingt wie nie ausgefallen ist, ließ sie noch näher an die Top 10 meiner Alltimefaves heranrücken. Leider hab ich das Konzert in Chemnitz dieses Jahr nicht besuchen können.

06. Warpaint – Undertow Mit Psychedelic-Rock hab ich ja eigentlich nix zu tun (gähn) aber diese Band hat mich kurz vor Jahresende verzaubert. Kleiner Tipp: Autobahn, gaaaanz laut und Schneelandschaften vorbeisausen lassen. Groß.

07. Jawbreaker – West Bay Invitational Punkrocker wundern sich vielleicht – Jawbreaker? – Die gibt es doch schon lange nicht mehr. Richtig. Das Internet spukt aber immer wieder Liebhaberstücke aus. Als ich dieses Jahr vollkommen pleite nach meinem Ausflug zu den Indianern in einem Hostel in Chicago saß und auf meinen Rückflug wartete, fand ich eine Liveaufnahme von 1994 aus New York. Die Zeit bis zum Abflug verging wie im Flug. haha…

08. Forgetters – The Night Accelerates Blake Schwarzenbach macht wieder Musik. Der Ex-Frontmann von Jawbreaker und Jets to Brazil hat eine neue Band. Beide Bands sind in meinem Plattenpaket für die einsame Insel. Mittlerweile ist eine Doppel-7‘‘ erschienen, aber im heißen Sommer 2010 brauchte ich eine halbe Ewigkeit, um an einen Livemitschnitt der damals noch veröffentlichungslosen Band heranzukommen. Nur vier Songs sind drauf, aber die reichen aus: es fühlt sich gleich alles vertraut an, wie früher.

09. Deftones – Beauty School Wow! Der Deftones-Bassist liegt seit Monaten im Koma. Die Band hatte ein Album fertig, veröffentlicht es aber nicht ohne ihren Bassisten. Stattdessen überbrücken sie die Zeit und spielen einfach mal ein neues Album ein. Dafür brauchen sie sechs Monate. Für das, was noch in der Schublade liegt, benötigten sie zwei Jahre. Wie geil soll das dann sein?

10. Maserati – Bye M’Friend, Goodbye  Vor einigen Jahren in Leipzig live gesehen und verliebt. Nun war lange Sendepause, denn der Drummer ist ums Leben gekommen. Das Album war da schon fast fertig. Die Band verabschiedet sich mit diesem Lied. Großes Kino. Musik, die ohne Worte, so viel mehr zu sagen vermag als eine komplette Tocotronic-LP.

11. Warning – Faces Es gibt eine Auswahl an Bands; oder besser einige Songs dieser Bands, die verlassen meinen Player nicht. Seit 2007 feier ich nun schon die leider aufgelösten WARNING überall ab, wo ich nur kann. Es vergingen keine drei Tage in 2010 ohne ihre Abschiedsplatte „Watching from the distance“. Diese Musik erdet, beruhigt und besänftigt mich. Darüber hinaus macht sie mich unversehens glücklich. Ich weiß, dass fällt schwer zu glauben, ist aber so.

12. Howlin‘ Wolf – Poor Boy Mein Herz hab ich ja seit einiger Zeit an einige großartige Soul- und Bluesmeister verschenkt und an einer Platte von Howlin‘ Wolf konnte ich in einem kleinen Plattenladen in Chicago nicht vorbeigehen… sooo viel Seele…

13. Lucinda Williams – Hang Down Your Head (Tom Waits) Ich weiß auch nicht warum ich dieses Jahr einen Narren an guten Coverversionen gefressen habe. Wobei – nein – ich weiß es schon – ich habe mich einfach zu wenig in Neues in 2010 verlieben können und so suchte ich wohl mit meinem Unterbewusstsein nach Altbewährtem in neuen Formen – bei dieser Tom Waits Coverversion kniete ich dann auch nieder. Zum Beispiel im Juli, allein an der Loop-Station in Downtown-Chicago kurz nach Mitternacht auf dem Heimweg vom IRON MAIDEN Konzert…

14. Wir sind Helden – Meine Freundin war im Koma… Wir sind Helden sind jetzt nicht meine Lieblingsband, sie machen viel Mist, aber auch immer wieder Ohrwürmer, die ihnen den Ruf als Konsensband einbrachten. Über den Tod unpathetisch zu schreiben und ihn zu besingen, muss man erst einmal SO schaffen. Respekt.

15. Minus the Bear – Secret Country Auch Minus the Bear haben sich wie Murder by Death die letzten Jahre gehörig in Richtung Alltime-Favourites gespielt. Welche andere Band schafft es Geschichten zu erzählen, musikalisch immer wieder zu überraschen, sperrig und trotzdem poppig zu sein? Nur sie. Mit „Secret Country“ schrieben sie meinen Herbstsoundtracksong.

16. Amanda Jenssen – The end Eigentlich geht das ja nicht. Die Zweitplatzierte der schwedischen Superstar-Casting-Show hier zu ehren – aber dieser Song ging mir nach erstmaligem Hören nicht mehr aus dem Kopf. Sie schreibt ihre Songs selber und kommt aus einer Musikerfamilie. Stop! Keine Rechtfertigungen mehr – super Song. Punkt.

17. Farmer’s Boulevard – While I See Ich kenne die Band schon lange. Mit ihrem schnellen Hardcore wissen sie mich vor allem live zu begeistern. Außerdem bewundere ich sie für ihr funktionierendes Konzept einer Freundschaft aufgepeppt durch das gemeinsame Musizieren. Auf Platte sind mir die Leipziger oft zu hektisch und zu konservativ ABER auf ihrer neuen EP legen sie bei mir den Schalter um – da wird der Fuß vom Gas genommen und es werden zudem Singalongs eingeflochten. Da lacht das Punkrockerherz und addiert auf der Jahreshauptversammlung die dienstälteste Hardcoreband Leipzigs zu den Schönheiten 2010.

18. Randy Wood – As long as the grass grows Ich stehe auf Abenteuer. Ein richtig fulminantes war mein Ausflug in ein Indianerreservat im Sommer 2010. Vier Wochen habe ich Schwitzehütten besucht, Geheimnisträger getroffen und in Tipis übernachtet. 22 Stunden Audiomaterial ist so zusammengekommen. Randy Wood ist der Frank Schöbel der Chippewa-Cree-Indianer im Norden Montanas im Nordwesten der USA. Frank sang über Herzschmerz für die Kasernierten im real existierenden Sozialismus – Randy singt für die Cree in den Reservaten Nordamerikas. Seit meiner Rückkehr im September 2010 vergeht kein Tag, an dem ich den Song nicht höre. In gewisser Hinsicht ermöglicht er mir in bestimmten Momenten eine Art ruhenden Pol zu erobern, zu besetzen, auf den Polberg zu klettern und laut in die Welt zu rufen: „Ich bin mit mir im Reinen.“ Unabhängig von diesem Lied ist das vielleicht der Koffer, den ich aus diesem Jahr in die nächsten mitschleppe. Die Begegnung mit den Indianern hat mich das An-und-für-sich-Sein gelehrt, von dem ich vorher nur eine leise Ahnung hatte.

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