Tag Archives: DDR

1989

30 Jun

Auf der Plattform europeana 1989, initiiert von der Deutschen Kinemathek, dem Museum für Film und Fernsehen, können Menschen aus ganz Europa ihre Geschichten, Fotos und Dokumente posten, die sie mit dem politischen Umbruch 1989 in ganz Europa verbinden. So soll ein einzigartiges bebildertes kollektives Gedächtnis entstehen. Dass 1989 weniger ein Moment, sondern vielmehr der Fixpunkt eines Prozesses ist und als solcher demzufolge eine Vor- und eine Nachgeschichte hat, wird auf den Fotos, die User bis dato online gestellt haben, sehr schön deutlich…

Dieses Bild entstand am 20.01.1990 auf einer Montagsdemonstration in Leipzig.

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Grenzgehen – Wandern auf dem Grünen Band Teil 5

10 Jul

Über Sickenberg und Meinhard wollen wir nach Wanfried. Trotz Wanderkarte gehen wir auf unserem Weg richtig verloren. Wir wollen zum Kloster Hülfensberg aufsteigen, das unmittelbar an der Grenze liegt. Auf dem Weg dahin stimmen Wegbeschreibung im Wanderführer und Wanderkarte nicht überein. So muss die Intuition herhalten. Ich packe meinen Kompass aus. Wir laufen quer-wald-ein Richtung Osten. Irgendwann muss die Grenze kommen. Der Wald ist nicht bewirtschaftet. Wir steigen durch Dickicht und Unterholz. Nach 500m entdecken wir einen preußischen Grenzstein. Die „Grenze“, die wir suchen, das wissen wir bereits, kann nicht mehr weit sein. Und  tatsächlich: keine fünf Minuten später stehen wir wieder auf dem Grünen Band. Abenteuer bestanden. Pioniergeist geweckt.

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Grenzgehen – Wandern auf dem Grünen Band Teil 4

9 Jul

Burgruine Altenstein

Auf dem Weg von Sickenberg nach Meinhard bei Eschwege führt der Weg vorbei an der Burgruine Altenstein. Die Mauerreste haben zwar nichts mit dem Kolonnenweg und der ehemaligen innerdeutschen Grenze zu tun, sind aber dennoch mein Highlight der Tagesetappe. Burg Altenstein steht gewissermaßen für eine Grenzregion – ist sie doch ein Zeugnis der Grenze zwischen thüringischem Eichsfeld und Hessen und damit ein Symbol für den Grenzcharakter der gesamten Gegend. Weiterlesen

Grenzgehen – Wandern auf dem Grünen Band Teil 3

8 Jul

Denkmal im Grenzmuseum Schifflersgrund

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Grenzgehen – Wandern auf dem Grünen Band Teil 2

7 Jul

Grenzstein „Königreich Preußen“

Das nächste Etappenziel ist Walkenried. Von Hohegeiß sind es ca. 16km. Zur Abwechslung führt uns die Route immer mal etwas vom Kolonnenweg ab in den Wald. Mir fällt zum ersten Mal bewusst auf, dass die Grenzen zwischen „Ost“ und „West“ keine willkürlichen Grenzen im weiteren Sinne sind, sondern sie sich an „alten“ Grenzen orientieren. Überall kann man entlang des Grenzwanderwegs die Grenzsteine zwischen dem Königreich Preußen und dem Herzogtum Braunschweig entdecken. Ein wenig verwittert und mit Moos bedeckt wirken sie wie die schrumpeligen Großeltern von DDR-Grenzsteinen und den schwarz-rot-goldenen BRD-Säulen, die man ebenfalls ab und an noch finden kann. Mit dem Wissen darum frage ich mich, wie ich annehmen konnte, es sei nicht so gewesen. Manchmal muss man erst die Antwort finden, um die richtige Frage stellen zu können. Weiterlesen

Grenzgehen – Wandern auf dem Grünen Band Teil 1

6 Jul

Die Harzer Schmalspurbahn ist ein Erlebnis. Nicht nur Bahnromantiker kommen auf ihre Kosten, wenn sich die Dampflok auf der Fahrt von Wernigerode auf den Brocken schnaufend den Berg hinauf arbeitet. Es ist Montagmorgen. Wir sind um gegen halb sechs Uhr morgens in Leipzig in den Zug nach Wernigerode gestiegen. Bereits um 09:00 Uhr sitzen wir im vierten Waggon hinter der Dampflok und rätseln, ob die Nebelschwaden um uns herum vom feucht-trüben Wetter stammen oder die Dampfmaschine bereits auf Temperaturen kommt. Es ist zwar albern, aber bei allem, was ich bis hierhin über das Grüne Band gelesen habe, fühle ich mich wie ein Pionier auf dem Weg in ein unwegsames Abenteuer. Es mag an der Eisenbahnromantik liegen, zudem bringt uns der Dampfzug gen Westen, aber Pioniergeist hat noch niemandem geschadet. Die Euphorie hält aber nur so lange bis eine Gruppe schwäbischer Rentner den vierten Waggon entert und mir den letzten Nerv raubt. So ähnlich müssen sich die wahrhaftigen Pioniere Amerikas gefühlt haben auf ihrem Weg nach Westen, wenn sich ihrem Track auf einmal religiöse Splittergruppen anschlossen auf der ihrigen Suche nach Heil. Die wussten vielleicht auch alles besser und sind schon überall gewesen. Sicher ist aber immerhin, dass die Rentner nur zum Feuersteintrinken auf den Brocken fahren. Weiterlesen

Grenzgehen

5 Jul

Kolonnenweg auf der ehemaligen innerdeutschen Grenze vom Brocken nach Hohegeiß

Durch Deutschland ging eine Grenze. Je nach dem auf welcher Seite man sich befand, empfand man diese innerdeutsche Grenze als unüberwindbare Staatsgrenze oder „nur“ als Demarkationslinie. Über 20 Jahre nach dem Zusammenbruch der DDR hat sich entlang dieses über 1400km langen Grenzstreifens eine Art Grenztourismus in Kinderschuhen entwickelt. Das „Grüne Band“ ist heute das, was einst Todesstreifen war. Die innerdeutsche Teilung ermöglichte die Entwicklung eines natürlichen Rückzugsgebietes für Tiere und Pflanzen und damit die Entstehung einer „freien Natur“ wie sie in Europa einmalig ist. Es gibt neuerdings Reiseführer, die den zugeneigten Wanderern, Radfahrern oder Hobbybotanikern eine Richtschnur zwischen Ostsee und tschechischer Grenze legen. Auch die Medien haben in jüngster Vergangenheit das Thema immer wieder aufgegriffen und prominent platziert. Weiterlesen

R.E.M. – Eine Liebe im Zeitraffer

22 Sep
“If I have a bag of rocks to carry as I go,
I just want to hold my head up high,
I don’t care what I have to step over”

(R.E.M. – “walk unafraid” 1998)

Gestern haben R.E.M. ihre Auflösung bekanntgegeben. Nach 31 Jahren. R.E.M waren immer da – nicht nur weil sie als Band zwei Jahre älter sind als ich. Auch weil sie mich über die Jahre nie allein gelassen haben: Sie waren zum verabredeten Zeitpunkt immer in Bewegung auf meinem Plattenteller. An ein Leben ohne sie werde ich mich erst gewöhnen müssen.

Foto von Anton Corbijn (Quelle:http://remhq.com/)

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In 100 Jahren ist Gera tot – Teil 2, oder Gera und der Hauch von Hoffnung

9 Dez

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Ich möchte den Schwarzen Gera-Peter nicht mit Pech übergießen. Deshalb habe ich in meiner zweiten Zählerableser-Karriere-Woche versucht die vielen Peter und Peterlinchen, ihre Behausungen und ihr Unvermögen in so vielerlei Hinsicht zu übersehen. Das fällt schwer, denn der Niedergang, das Sterben einer Stadt, ist doch allzu offensichtlich. Aber es gibt sie, die Leuchttürme der Hoffnung, die Samenkörner der Zuversicht, die mich mit Gedanken im Konjunktiv aus Gera abreisen lassen. Weiterlesen

In 100 Jahren ist Gera tot – Teil I

28 Nov

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Es ist 07:30 Uhr. 3 Grad. Es regnet. Ich trage Kapuzen-, Fleece-, Winter- und Regenjacke. Ich bin der Vier-Schichten-Mann. Der Himmel und die Häuser sind in einen Grauschleier gehüllt. Die Dunkelheit beginnt sich in Tageslicht zu verwandeln – zumindest in das, was man im November dafür hält. Auf der Lichtung im Häuserwald weht ein launiger Wind. Es ist der erste Tag in meinem Zwei-Wochen-Leben als Strom- und Gaszählerableser. Weiterlesen