Tag Archives: Medienkrise

Über Kraut und Crowd

16 Jun

Vor ein paar Wochen haben einige freie Journalisten sich zusammengetan, um ein bis dato – in Deutschland – einmaliges Projekt zu initiieren. Im Zeitalter des viel zitierten Medienwandels, des Zeitungssterbens mitsamt rückläufigen Werbeetats und damit schrumpfenden Honoraren für freie Journalisten und Journalistinnen, überlegen unterschiedlichste Menschen schon seit langem, wie man Qualitätsjournalismus 2.0. machen kann. Die Krautreporter wollen sich an einer Beantwortung versuchen.

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Aggressives Lokalzeitungsmonopoly

18 Feb

Von einer so genannten „Medienkrise“ liest man vielerorts. Das Internet und damit der Onlinejournalismus gräbt nach Meinung einiger „Experten“ dem Printjournalismus geschäftig das Wasser ab. Dabei muss er sich nicht mal Schwielen an den Händen holen – die technischen Neuerungen, zumal jene, die bis dato nur am Firmament erscheinen, werden den Markt weiter revolutionieren – kleine Geräte, die man überall mit hin nehmen kann, um jederzeit und eben überall zum Beispiel Zeitung lesen zu können – und zwar nicht die von gestern, nicht mal die von heute, sondern die von gerade eben. Wer geht da noch an den Kiosk?

Besonders trifft die „Medienkrise“ die Lokalzeitungen. „Es wandert ja alles ins Internet ab.“ Die Leute verlängern ihre Abos nicht mehr. Das Geld ist knapp – genau – wegen der Finanzkrise. Dass das Lokalzeitungssterben vielleicht mit dem Verlust an Integrität und Vertrauen seitens der Leserschaft zu tun haben könnte, oder auch eine Folge mangelnder Qualität ist, die wiederum das Resultat von Sparmaßnahmen an allen Ecken und Enden darstellt, betonen wiederum andere Experten.

So richtig spannend wird es dann dort, wo sich Einzeitungskreise gebildet haben. Ein Einzeitungskreis ist eine Region in der nur eine lokale Tageszeitung (ohne Konkurrenz) erscheint. In Deutschland gibt es über 300 Einzeitungskreise. Leipzig ist einer davon. Die Leipziger Volkszeitung ist allein auf weiter Flur und bestimmt welche Tiere des Waldes eines Artikels würdig sind. Sie bestimmt auch welche Tiere zu welcher Jahreszeit geschossen werden dürfen. Dem nicht genug: Sie bestimmt zu allem Überfluss auch, wer gar nicht in die Zeitung darf, weil die LVZ ihn nicht leiden kann. Weil die LVZ die alleinige Macht in Leipzig hat, ist der mit Ignoranz Gestrafte aus dem Rennen – die anderen Tiere im Wald können ihn ja nicht kennen. Er steht ja nicht in der Zeitung.

Man stelle sich vor die Einzeitungskreis-Lokalzeitung stirbt. Dann gibt es keine Medienlandschaft mehr. Ein Mischblätterwald war das zwar schon lange nicht mehr, aber nun fällt die Fichtenmonokultur auch noch. Da muss sich eine Lokalzeitung wehren. Sie muss die Leser gewinnen, an sich binden und um sie werben. Sie muss im Bewusstsein der Leser fest verankert sein. So richtig vollkommen fühlt man sich in der lokalen Informations- und Wissensgesellschaft nur, wenn man weiß, was in der Lokalpostille steht.

Felix Zimmermann hat einmal zusammengestellt, wie die Oldenburger „Nordwest-Zeitung“, als einziges lokales Presseorgan versucht am Leben zu bleiben. Dabei geht sie durchaus kreativ vor: Anbiederung an die lokale Wirtschaft und das Stadtmarketing, Kooperationen mit den mittelständischen Unternehmen der Region (nach dem Motto: „Mach mit bei unserer Rabattkartenaktion, oder du kommst schlecht weg in der Zeitung.“) oder Investieren zum fast 0-Tarif in Praktikanten- und Schülerartikel. Da monopoliert es sich prima, denn die Auflage steigt sogar. Die Menschen haben Angst davor, die Lokalzeitung nicht zu lesen. So muss das sein. Liebe LVZ – da geht noch was – schaue und lerne!