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Sayin’ Hello to Rock Boy Reservation – Atamiskâtowin!

30 Jul

Mittwoch, 28.07.2010

Wenn man von Bozeman/MT Richtung Norden faehrt wird die Szenerie karger. Alles wird weniger: der Verkehr, die Siedlungen und die Geraeuschkulisse der Zivilisation. Die Schluchten, die der Missouri in den Fels gefressen hat, wirken unwirtlich. Die Felsbrocken auf dem Kamm der Schluchten nehmen mitunter bizarre Formen an. Immer wieder muss ich an einen Winnetoufilm denken, in dem aus dem Nichts auf solch einem Canyon eine Gruppe Indianer auftaucht. Solche fluechtigen Bilder tauchen immer wieder auf. Es ist doch mit unter seltsam wie sehr unser Blick auf etwas durch andere Bilder gepraegt ist: In diesem Fall durch Karl-May-Western, die in Ex-Jugoslawien gedreht worden. Ich warte vergeblich auf die angriffslustigen Krieger. Diesen romantischen Blick werde ich noch ueberwinden muessen. Das Rocky Boy Reservat begruesst einen unscheinbar von einem braunen Strassenschild. “Welcome to the home of the Chippewa Cree Tribe.” Eine Weile sieht man links und rechts der buckligen Strasse nichts ausser saftige Weiden. Stets umrahmt von den Bergen und Huegeln auf denen ich jeden Moment eben diese Indianer vermute. Die Gegenwart, ganz ohne Federschmuck, Pferdehufgeklapper, Kriegergesaenge und Trommelgetoese, wuenscht unvermittelt einen schoenen guten Tag: So genannte ‘Mobile Homes’ saeumen die Strasse. Sie stehen hier nicht, weil ihr Bewohner auf dem Sprung sind. Sie sind eher ein Zeichen fuer Armut, denn diese LKW-Anhaenger aus Holzlatten sind billig. Auf einer Anhoehe kann ich das Stone Child College ausmachen. Wir biegen von der Haupstrasse ab. Damit verlassen wir auch die geteerte Hauptstrasse. Einige Huegel weiter schlaengelt sich die Strasse elegant um einen Berg herum, um kurzer Hand in ein Tal zu fuehren. Am Ende dieser Strasse halten wir. Robert: “That’s it.” Ich: “Beautiful.” Die Familie heisst mich willkommen. Wir machen einen kleinen Spaziergang. Es wachsen Blau- und Himbeeren am Wegesrand. Am Ende des Tals auf einem der umrahmenden Huegel werden wir von einem Hirsch beobachtet. Er entdeckt uns und erstarrt unvermittelt in seiner Position. Langsam verschwindet die Sonne hinter den Auslaeufern der Rocky Mountains. Das eben noch satt strahlende Gruen verwandelt sich urploetzlich in ein schwarzes Nichts. Es fuehlt sich so an, als ob innerhalb von Sekunden die Temperatur um zehn Grad faellt. Abends sitzen wir am Feuer im Garten. Es gibt Marshmallows. Eine Geschichte jagt die andere. Roberts Eltern, seine Tante und sein Onkel und eine halbe Fussballmannschaft Neffen und Nichten – ganz ohne Federschmuck und Tipi im Garten. Aber: Da ist etwas, wonach ich gesucht habe. Woerter tun sich schwer zu beschreiben, was es ist. Im Hintergrund toenen aus einem CD-Player leise traditionelle Sundance-Songs.

Die Art und Weise, wie die Menschen miteinander umgehen, zeugt von einer Art Spiritualitaet. Dieses Wort provoziert Vorstellungen, die in keiner Weise in die Naehe dessen gehoeren, was ich versuche zu beschreiben. Ich werde noch ein paar Tage brauchen, um Worte dafuer zu finden. Schon nach wenigen Stunden fuehlt man sich gutaufgehoben, als gehoere man dazu. Die Blicke sind direkt. Sie geben einem aber nicht das Gefuehl, dass jedes Wort auf einer Goldwaage liegt. Vielmehr ist da offene Neugier und eine Art Herzlichkeit, die nicht auf einem habitualisierten Verhaltenskodex beruht, sondern von Respekt getragen wird. Das Feuer brennt langsam herunter.

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