Tag Archives: cree-chippewa

„Zwei Sommer lang Indianer“ Journal Folge 3/6: Wie man in Rocky Boy lebt

27 Feb
Vorbemerkung: Am kommenden Samstag, den 2. März 2013 wird eine literarische Reisereportage mit dem Titel „Zwei Sommer lang Indianer“ um 14.00 Uhr auf radio blau (www.radioblau.de) welturaufgeführt. radio blau ist das freie und nichtkommerzielle Lokalradio Leipzigs. Man kann radio blau sowohl auf UKW in Leipzig als auch per Stream in der ganzen Welt hören. Ab Montag, den 25.02.2013 poste ich bis zur Welturaufführung jeden Morgen eine Geschichte aus meiner Zeit bei den Chippewa-Cree hier. So können sich alle Interessierten Schritt für Schritt auf die Reise begeben… Nachfolgend kann man bereits einen Trailer zur literarischen Reisereportage hören:

Wie man in Rocky Boy lebt

Die sozialen Missstände, die in Indianerreservaten herrschen, sind in Rocky Boy offensichtlich. Wie ein Schleier legt sich die Armut, die hohe Kriminalitätsrate, der Alkoholismus, der Drogenkonsum, die häusliche Gewalt, die Arbeits- und Perspektivlosigkeit über die Häuser und Vorgärten. Viele Gesichter von Indianern, die ich kennenlerne, sind auf unterschiedlichste Weise von all dem gezeichnet. Oft wirken die Blicke leer und verglüht. Nicht selten zittern Männer im besten Alter, als ob sie an der Parkinson-Krankheit leiden würden. Wenn ich wissen möchte, warum Kinder bei ihren Großeltern statt bei ihren Eltern leben, bekomme ich zur Antwort, dass der Vater die Familie verlassen hätte und die Mutter oft krank und deswegen müde sei. Vor allem in den zwei Wochen nachdem die staatliche Fürsorge ausgezahlt wird, kommt es häufig vor, dass die Mütter schon mittags den Rausch vom Morgen ausschlafen müssen. Wer in Rocky Boy männlich ist und mit 30 noch nicht im Gefängnis saß, ist entweder zugezogen oder hat sich nicht erwischen lassen.

Weiterlesen

Advertisements

„Zwei Sommer lang Indianer“ Journal Folge 2/6: Wie zwei Völker eins werden

26 Feb
Vorbemerkung: Am kommenden Samstag, den 2. März 2013 wird eine literarische Reisereportage mit dem Titel „Zwei Sommer lang Indianer“ um 14.00 Uhr auf radio blau (www.radioblau.de) welturaufgeführt. radio blau ist das freie und nichtkommerzielle Lokalradio Leipzigs. Man kann radio blau sowohl auf UKW in Leipzig als auch per Stream in der ganzen Welt hören. Ab Montag, den 25.02.2013 poste ich bis zur Welturaufführung jeden Morgen eine Geschichte aus meiner Zeit bei den Chippewa-Cree hier. So können sich alle Interessierten Schritt für Schritt auf die Reise begeben… Nachfolgend kann man bereits einen Trailer zur literarischen Reisereportage hören:

Wie zwei Völker eins werden

Heute leben in Rocky Boy die Chippewa-Cree-Indianer. Das ist die offizielle Schreibweise. Einen Chippewa-Cree-Indianer an sich gibt es aber eigentlich nicht. Die Chippewa und auch die Cree waren eigenständige Völker mit unterschiedlichen Siedlungsgebieten und Lebensweisen. In Rocky Boy haben sie Anfang des 20. Jahrhunderts strenggenommen „geheiratet“. Die Geschichte der Cree- und Chippewa-Indianer war bis dahin die Geschichte zweier Indianervölker auf der Flucht. Es ist die Chronik einer Odyssee von Heimatlosen, angetrieben vom Glauben an eine glückliche Zukunft und die Sehnsucht nach einem Ort, der bleibt. Ihre Geschichte beginnt in einer Zeit, in der noch keine Nationalstaaten auf dem nordamerikanischen Kontinent existieren. Sie endet mit der Gründung des kleinsten und letzten Reservats der USA im „treasure state“ Montana, dem Staat der Kostbarkeiten, von denen die Cree- wie die Chippewa-Indianer bis heute nichts abbekommen.

Logo_Rocky Boy

Weiterlesen

Auftakt: Das große Indianer-Abenteuer-Blog-Journal +++ Trailer zur literarischen Reisereportage „Zwei Sommer lang Indianer“

23 Feb

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie einige aufmerksame Leser_Innen meines TRACKtate-Blog wissen, verbrachte ich den Sommer 2010 im Nordwesten der USA – genauer in Montana. Dort liegt Rocky Boy – das Reservat der Chippewa-Cree-Indianer. Nach meiner Rückkehr machte ich mich daran das Erlebte niederzuschreiben mit dem Ziel eine literarische Reisereportage für das Radio zu produzieren. Ich schrieb, entwarf, verwarf und fand schlussendlich in den beiden Sprechern Mirko Kasimir und Anja Lehmann zwei Profis, die mich bei der Umsetzung meiner Idee unterstützten. Michael Seiler (u.a. Verbrannte Erde, Interstate 5 und Crottendorf) komponierte die Musik und so entstand Schritt für Schritt ein 120-minütiges Hörstück.

27.07._Bild 1

Weiterlesen

Schwitzen gegen Schwermut oder der Versuch der Skizzierung einer spirituellen Erfahrung

12 Aug

Flattr this

Wie erklaert man etwas plausibel, fuer das es im Deutschen nicht einmal eine schluessige Uebersetzung gibt? Diese Frage stelle ich mir, waehrend ich hier den Versuch unternehmen moechte, zu umreissen, was eine „Sweat Lodge“ ist. Die leichtfuessige deutsche Uebersetzung ist ‚Schwitzehuette‘. Vielleicht koennte man auch ‚Sauna‘ sagen. Aber beide Begriffe vermoegen nicht das auszudruecken, worum es sich tatsaechlich handelt. Schon der englische Begriff „Sweat Lodge“ scheitert ja bereits an der Bedeutungskonnotation des indianischen Begriffs. Demzufolge pflanzt sich die Schieflage der Uebersetzung fort. Sei’s drum. Mit Onkel Tom’s Huette, dem suesslichem Duft von Schweiss und nackigen Menschen, lediglich bedeckt von einem Handtuch mit dem Aufdruck einer Hotelkette, hat eine „Sweat Lodge“ weder im entferntesten noch auch nur ansatzweise zu tun.

Es ist gegen 16.30 Uhr als Rob und ich uns in seinen Pick-Up-Truck setzen, um uns auf den Weg zum Anwesen seines Onkels zu machen. Edmont, Roberts Vater, hat uns eine kleine Landkarte gezeichnet, die uns dabei helfen soll. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt einige geteerte Hauptstrassen, die durch die Reservation fuehren. Von denen gehen dann hier und dort kleine Feldwege ab. Manchmal kann man die Haeuser schon von der Hauptstrasse aus sehen. Meistens aber schlaengeln sich die Feldwege ein ums andere Mal durch die Taeler, die von beiden Seiten durch saftig gruene Huegel flankiert werden. Es hat viel geregnet in den letzten Wochen. Vereinzelt kann man im Schatten kleiner Baumgruppen Kuehe oder Pferde ausmachen.

Weiterlesen

Bildergalerie Pow Wow Rocky Boy Reservation 06.08.2010-08.08.2010

12 Aug

Flattr this

Das Pow Wow erforderte in den letzten Tagen all meine Aufmerksamkeit. Sonntagmorgen um vier Uhr frueh war dann der letzte Wettbewerb beendet. Da lag ich schon suess traeumend im Bett. Die indianische Zeitrechnung war in der Tat ein Problem: Zwar begann das bunte Treiben in der Tanzarena bereits um 13.00 Uhr, aber das Programm plaetschert zur Prime Time am Nachmittag, am fruehen Abend und rund um 20.15 Uhr herum so vor sich hin. Hier und da mal ein kleiner Wettbewerbsvorausscheid, aber vor allem „Giveaways“. Diese sind eher langatmige und ernuechternde Veranstaltungen: eine Person oder eine Familie, meist ein Taenzer und seine Angehoerigen oder ein Repraesentant des oeffentlichen Lebens des Rocky Boy Reservats, fuehlen sich berufen andere Menschen zu beschenken. Einige der Giveaways sind ruehrend – da verschenkt etwa ein Taenzer der Seniorenkategorie zum seinem 21-jaehrigen Tanzjubilaeum verschiedenste Alltagsgegenstaende an Freunde, Bekannte, Offizielle und Mittaenzer. An jeden von ihnen richtet er persoenliche Worte. Viele Anekdoten werden so mit dem Publikum geteilt und der eigenwillige Humor so manches Vortragenden loest nachhaltige Lachsalven aus. Die Geschenke selbst sind vielgestaltig – da ist von der Tuete Chips ueber Decken in allen Formen und Farben bis hin zu Kuechengeraeten alles moeglich. Die ermuedendere Form ist demgegenueber, wenn der Vater eines Taenzers, dessen Sproessling zum ersten Mal an einem Pow Wow teilnimmt, die Tanzkoenigin, die Organisatoren und seine Onkel und Tanten beschenkt und aufruft nach vorn zu treten. Begleitet wird das dann alles von den sich wieder und wieder wiederholenden Dankesworten und einer abschliessenden ehrenrunde durch die Arena. Indianische Familien sind Grossfamilien. Es kam desoefteren vor, dass so ein Giveaway die 60-Minuten-Marke ueberschritt – und das zur besten Sendezeit. So bekam ich leider nicht mehr mit, welche der Musikgruppen, die das Pow Wow mit Trommeln und Gesang begleiteten den hochdotierten Wettbewerb gewann und konnte danach auch niemanden ausfindig machen, der mir darueber Auskunft erteilen konnte.

An dieser Stelle nun ein kleiner Nachtrag in Form einiger Schnappschuesse, die ich waehrend des Pow Wows gemacht habe. Alles Wissenswerte zum Pow Wow an sich findet man im Blogeintrag vom 08.08.2010.

Weiterlesen