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Was ist eigentlich das Abendland?

20 Jan

Zuckmayer„[…] Stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dikker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen.“

Carl Zuckmayer: Des Teufels General. In: ders.: Werkausgabe in zehn Bänden. Bd. 8. Frankfurt a. M. 1978, S. 93-231, hier S. 149

2012

1 Feb

Da war doch noch etwas.

R.E.M. – Eine Liebe im Zeitraffer

22 Sep
“If I have a bag of rocks to carry as I go,
I just want to hold my head up high,
I don’t care what I have to step over”

(R.E.M. – “walk unafraid” 1998)

Gestern haben R.E.M. ihre Auflösung bekanntgegeben. Nach 31 Jahren. R.E.M waren immer da – nicht nur weil sie als Band zwei Jahre älter sind als ich. Auch weil sie mich über die Jahre nie allein gelassen haben: Sie waren zum verabredeten Zeitpunkt immer in Bewegung auf meinem Plattenteller. An ein Leben ohne sie werde ich mich erst gewöhnen müssen.

Foto von Anton Corbijn (Quelle:http://remhq.com/)

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Die Mutter der Söhne der großen Bärin

15 Sep

Heute wäre Liselotte Welskopf-Henrich 110 Jahre alt geworden.

Liselotte Welskopf-Henrich (* 15. September 1901; † 16. Juni 1979)

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Gejagter Jäger

29 Aug

Seit ein paar Jahren freue ich mich immer schon Wochen im voraus auf den jährlichen Angelausflug mit ein paar Freunden. Was als Urlaub zum Skatspielen begann und anfangs von amateurhaften Angelversuchen bei chronischem Misserfolg begleitet wurde, hat sich über die Jahre zum waschechten Angelurlaub entwickelt, der gelegentlich durch Skatspiele aufgelockert wird.

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Warum mir die heiße Wassermusik die liebste ist

22 Aug

Am Samstag habe ich mit vier Freunden einen Ausflug gemacht – nach Schweinfurt. Das allein ist wahrlich keine Schlagzeile wert, mag man denken. Ich sage: Diese Tatsache ist sogar mehr als eine Schlagzeile wert, sie taugt als tattoogewordene Phrase auf einem Unterarm: „Live your heart an never follow!“ Was hat nun ein Herz und die Kampfansage gegen die Widrigkeiten des Lebens mit einem Ausflug nach Schweinfurt zu tun? Alles.

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Beiläufige Liverpool-Betrachtung

14 Jun
“In Penny Lane there is a barber showing photographs
of every head he’s had the pleasure to know
and all the people that come and go stop and say hello
on the corner is a banker with a motorcar
the little children laugh at him behind his back
and the banker never wears a mack in the pouring rain very stranger
Penny Lane is in my ears and in my eyes
there beneath the blue suburban skies I sit and meanwhile back”

Das sangen die Beatles 1967 über eine Straße in ihrer Heimatstadt. Liverpool insgesamt hat wenig von dem Charme behalten, den die Pilzköpfe einst in Form ihrer lustigen Anekdotensammlung besangen. Weiterlesen

Ordnung muss sein.

16 Apr

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Guten Tag. Mein Name ist Robert Malischewski. Ich wohne gegenüber eines Supermarktes. Die Leute aus dem Ort kaufen dort ein. Viele kommen zu Fuß. Nach der Wende sind hier viele Parkplätze entstanden. Mehr Parkplätze als Autos. Ich muss lachen. Mehr Parkplätze als Einwohner. Wohlmöglich. Aber Ordnung muss sein. Wer in den Supermarkt will, soll auf dem Supermarktparkplatz parken. Ich wohne gegenüber. Ich sehe alles ganz genau. Ich habe ein Auto. Es steht in der Garage. Auch ich habe Parkplätze geschaffen vor meinem Grundstück. Wenn mal Besuch kommt. Aber nicht für Kunden des Supermarkts. Ich war früher im Bergbau tätig. Wie viele im Ort. Mein Rasen ist gemäht. Immer. Die Kinder vom Nachbarn haben drüben ein Baumhaus. Die tollen oft herum. Manchmal werfen sie kleine Äste auf meinen Rasen. Weiterlesen

Back in the old days…

3 Apr

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Das soll kein Loblied auf die DDR werden. So viel steht fest. Fakt ist aber: Ich bin in diesem Land geboren und dort primärsozialisiert worden. Womit? Weniger mit Gewürzgurken, Pionierhalstuch und ATA als vielmehr mit Spielzeug. Auf einem Wochenendausflug nach Ilmenau konnte ich deswegen nicht widerstehen und habe das DDR-Spielzeug-„Museum“ besucht. Die Anführungsstriche haben ihre Berechtigung. Es handelt sich nicht unbedingt gleich um ein Museum, wenn jemand in einer Scheune verschiedenste Spielzeuge zusammenträgt und sie dort „ausstellt“. Auch hier wieder Anführungsstriche, denn zu einer Ausstellung gehört ebenso mehr als nur das Hinstellen von Dingen. Sei’s drum. Toll war es trotzdem, weil ich mit der materiellen Kultur meiner Kindheit nach 21 Jahren erstmal wieder in Berührung kam und ich den Mund gar nicht mehr zu bekommen habe vor lauter Staunen. So viele Dinge, die ich vergessen hatte, die mir aber einst sehr ans Herz gewachsen waren, türmten sich nur so vor mir auf. Deswegen an dieser Stelle ein paar Fotos von Gegenständen, die mich zurückversetzt haben in meine Neubaublock-DDR-Kindheit und in die Mitte meines Kinderzimmerteppichs. Vielleicht geht es dem einen oder der anderen Leser oder Leserin dieser Zeilen ebenso. Weiterlesen

Deutsche Botschaft in den USA honoriert „städtische Verantwortung“ des TRACKtate-Blogs

21 Jan

Heute morgen öffnete ich mein E-Mail-Postfach und las die E-Mail von Jörg Miemietz. Er ist ein guter Bekannter von Lillian Anderson aus Michigan. Ich habe mich sehr über diese E-Mail gefreut, weil endlich jemand erkannt zu haben scheint, dass diese Website über einen „hohen Sinn (…) städtischer Verantwortung“ verfüge. Das beweisen „Aufzeichnungen an der Botschaft“ Deutschlands „hier in U.S.A.“. Endlich! TRACKtate bekommt den Preis, den es verdient. Nun brauche ich nur etwas Geld, um die Formalitäten zu klären.

Hier das gesamte Schreiben: Weiterlesen