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„Zwei Sommer lang Indianer“ Journal Folge 1/6: Wie ich mich auf den Weg mache

25 Feb
Vorbemerkung: Am kommenden Samstag, den 2. März 2013 wird eine literarische Reisereportage mit dem Titel „Zwei Sommer lang Indianer“ um 14.00 Uhr auf radio blau (www.radioblau.de) welturaufgeführt. radio blau ist das freie und nichtkommerzielle Lokalradio Leipzigs. Man kann radio blau sowohl auf UKW in Leipzig als auch per Stream in der ganzen Welt hören. Ab Montag, den 25.02.2013 poste ich bis zur Welturaufführung jeden Morgen eine Geschichte aus meiner Zeit bei den Chippewa-Cree hier. So können sich alle Interessierten Schritt für Schritt auf die Reise begeben… Nachfolgend kann man bereits einen Trailer zur literarischen Reisereportage hören:

Wie ich mich auf den Weg mache

Mein Flugzeug landet an einem feucht-heißen Julitag in Chicago. Von hier aus beginnt meine Reise. Es sind noch knapp 2500 Kilometer bis in den Nordwesten, nach Montana in das Rocky Boy Reservat. Ich schaue mir ein wenig die Stadt an und frage mich die gesamte Zeit, wann ich eigentlich die Entscheidung getroffen habe, von Chicago bis nach Montana mit dem Auto zu fahren. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe mich nicht entschieden. Hätte ich mich entschieden, würde das bedeuten, ich hätte eine Wahl gehabt. Klar, ich hätte mit dem Zug fahren oder fliegen können, das war vielleicht ein Gedanke, aber keine echte Option. Es war irgendwie von vornherein klar. Die Entscheidung hat mich getroffen, bevor ich überhaupt überlegen konnte, ob ich sie hätte treffen wollen.

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Auftakt: Das große Indianer-Abenteuer-Blog-Journal +++ Trailer zur literarischen Reisereportage „Zwei Sommer lang Indianer“

23 Feb

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie einige aufmerksame Leser_Innen meines TRACKtate-Blog wissen, verbrachte ich den Sommer 2010 im Nordwesten der USA – genauer in Montana. Dort liegt Rocky Boy – das Reservat der Chippewa-Cree-Indianer. Nach meiner Rückkehr machte ich mich daran das Erlebte niederzuschreiben mit dem Ziel eine literarische Reisereportage für das Radio zu produzieren. Ich schrieb, entwarf, verwarf und fand schlussendlich in den beiden Sprechern Mirko Kasimir und Anja Lehmann zwei Profis, die mich bei der Umsetzung meiner Idee unterstützten. Michael Seiler (u.a. Verbrannte Erde, Interstate 5 und Crottendorf) komponierte die Musik und so entstand Schritt für Schritt ein 120-minütiges Hörstück.

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Deutsche Botschaft in den USA honoriert „städtische Verantwortung“ des TRACKtate-Blogs

21 Jan

Heute morgen öffnete ich mein E-Mail-Postfach und las die E-Mail von Jörg Miemietz. Er ist ein guter Bekannter von Lillian Anderson aus Michigan. Ich habe mich sehr über diese E-Mail gefreut, weil endlich jemand erkannt zu haben scheint, dass diese Website über einen „hohen Sinn (…) städtischer Verantwortung“ verfüge. Das beweisen „Aufzeichnungen an der Botschaft“ Deutschlands „hier in U.S.A.“. Endlich! TRACKtate bekommt den Preis, den es verdient. Nun brauche ich nur etwas Geld, um die Formalitäten zu klären.

Hier das gesamte Schreiben: Weiterlesen

Schwitzen gegen Schwermut oder der Versuch der Skizzierung einer spirituellen Erfahrung

12 Aug

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Wie erklaert man etwas plausibel, fuer das es im Deutschen nicht einmal eine schluessige Uebersetzung gibt? Diese Frage stelle ich mir, waehrend ich hier den Versuch unternehmen moechte, zu umreissen, was eine „Sweat Lodge“ ist. Die leichtfuessige deutsche Uebersetzung ist ‚Schwitzehuette‘. Vielleicht koennte man auch ‚Sauna‘ sagen. Aber beide Begriffe vermoegen nicht das auszudruecken, worum es sich tatsaechlich handelt. Schon der englische Begriff „Sweat Lodge“ scheitert ja bereits an der Bedeutungskonnotation des indianischen Begriffs. Demzufolge pflanzt sich die Schieflage der Uebersetzung fort. Sei’s drum. Mit Onkel Tom’s Huette, dem suesslichem Duft von Schweiss und nackigen Menschen, lediglich bedeckt von einem Handtuch mit dem Aufdruck einer Hotelkette, hat eine „Sweat Lodge“ weder im entferntesten noch auch nur ansatzweise zu tun.

Es ist gegen 16.30 Uhr als Rob und ich uns in seinen Pick-Up-Truck setzen, um uns auf den Weg zum Anwesen seines Onkels zu machen. Edmont, Roberts Vater, hat uns eine kleine Landkarte gezeichnet, die uns dabei helfen soll. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt einige geteerte Hauptstrassen, die durch die Reservation fuehren. Von denen gehen dann hier und dort kleine Feldwege ab. Manchmal kann man die Haeuser schon von der Hauptstrasse aus sehen. Meistens aber schlaengeln sich die Feldwege ein ums andere Mal durch die Taeler, die von beiden Seiten durch saftig gruene Huegel flankiert werden. Es hat viel geregnet in den letzten Wochen. Vereinzelt kann man im Schatten kleiner Baumgruppen Kuehe oder Pferde ausmachen.

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Bildergalerie Pow Wow Rocky Boy Reservation 06.08.2010-08.08.2010

12 Aug

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Das Pow Wow erforderte in den letzten Tagen all meine Aufmerksamkeit. Sonntagmorgen um vier Uhr frueh war dann der letzte Wettbewerb beendet. Da lag ich schon suess traeumend im Bett. Die indianische Zeitrechnung war in der Tat ein Problem: Zwar begann das bunte Treiben in der Tanzarena bereits um 13.00 Uhr, aber das Programm plaetschert zur Prime Time am Nachmittag, am fruehen Abend und rund um 20.15 Uhr herum so vor sich hin. Hier und da mal ein kleiner Wettbewerbsvorausscheid, aber vor allem „Giveaways“. Diese sind eher langatmige und ernuechternde Veranstaltungen: eine Person oder eine Familie, meist ein Taenzer und seine Angehoerigen oder ein Repraesentant des oeffentlichen Lebens des Rocky Boy Reservats, fuehlen sich berufen andere Menschen zu beschenken. Einige der Giveaways sind ruehrend – da verschenkt etwa ein Taenzer der Seniorenkategorie zum seinem 21-jaehrigen Tanzjubilaeum verschiedenste Alltagsgegenstaende an Freunde, Bekannte, Offizielle und Mittaenzer. An jeden von ihnen richtet er persoenliche Worte. Viele Anekdoten werden so mit dem Publikum geteilt und der eigenwillige Humor so manches Vortragenden loest nachhaltige Lachsalven aus. Die Geschenke selbst sind vielgestaltig – da ist von der Tuete Chips ueber Decken in allen Formen und Farben bis hin zu Kuechengeraeten alles moeglich. Die ermuedendere Form ist demgegenueber, wenn der Vater eines Taenzers, dessen Sproessling zum ersten Mal an einem Pow Wow teilnimmt, die Tanzkoenigin, die Organisatoren und seine Onkel und Tanten beschenkt und aufruft nach vorn zu treten. Begleitet wird das dann alles von den sich wieder und wieder wiederholenden Dankesworten und einer abschliessenden ehrenrunde durch die Arena. Indianische Familien sind Grossfamilien. Es kam desoefteren vor, dass so ein Giveaway die 60-Minuten-Marke ueberschritt – und das zur besten Sendezeit. So bekam ich leider nicht mehr mit, welche der Musikgruppen, die das Pow Wow mit Trommeln und Gesang begleiteten den hochdotierten Wettbewerb gewann und konnte danach auch niemanden ausfindig machen, der mir darueber Auskunft erteilen konnte.

An dieser Stelle nun ein kleiner Nachtrag in Form einiger Schnappschuesse, die ich waehrend des Pow Wows gemacht habe. Alles Wissenswerte zum Pow Wow an sich findet man im Blogeintrag vom 08.08.2010.

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Pow Wow oder was von der Tradition Amerikanischer Ureinwohner uebrig blieb

8 Aug

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Gestern wurde das Pow Wow der Rocky Boy Reservation feierlich eroeffnet. Punkt 19.00 begann der Moderator, den so genannten „Great Entry“ anzukuendigen. Moderator ist vielleicht das falsche Wort, um diesen Boxkampfansager mit Cowboyhut zu beschreiben. Zwischen den Verweisen auf das, was in der Arena passiert, nimmt er sich auch immer wieder die Zeit fuer ein paar schlechte, mit unter schluepfrige Witze, schwaermt vom Hamburgerduft, der von der Ladenstrasse herueberweht oder bittet Besucher ihr Auto umzuparken. Wenn sie kanadische Nummernschilder haben, sollen sie doch gleich heimfahren. Grunzendes Lachen. Man muss sich das wahrscheinlich wie einen schlechten Polenwitz vorstellen.

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Run to the hills

27 Jul

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Ich bin vorlauefig angekommen. Uebermorgen werde ich in die Rocky Boy Reservation aufbrechen. Derzeit bin ich Bozeman/Montana im Nordwesten der USA bei Robert untergekommen. Robert ist ein Chippewa-Indianer, der hier die Universitaet besucht. Hinter mir liegen 3520km einmal quer durch den Mittleren Westen der USA von Chicago ueber Wisconsin, South Dakota und Wyoming bis nach Montana.

Die letzte Woche habe ich versucht Amerika zu erfahren im doppelten Sinne. Viele Dinge passten in Klischees, die uns in Deutschland wohl bekannt sind. Andere Dinge ueberraschten mich, machten mich neugierig oder nachdenklich. Daneben versuche ich auf dieser “Expedition” aber auf einem ganz bestimmten Pfad der amerikanischen Geschichte zu wandeln – der Wilde Westen, die Lebensweise der Praerieindianer bis ins spaete 19. Jahrhundert und die Erinnerungskultur, die mit dieser Epoche fuer die Gegenwart einhergeht, und nicht zuletzt die Lebenswelten der Indianer in den Reservaten im Hier und Jetzt sind die Fixpunkte, die meinen Blickwinkel bestimmen.

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