Tag Archives: Leipzig

Obsternten in Leipzig

10 Jul

Letztes Jahr habe ich mich gefühlt wie ein Dieb, als ich zur Herstellung von Hagebuttenamrmelade im Stadtpark Hagebutten pflückte. Dank der FRUCHT-BAR weiß ich nun, dass das „Amt für Stadtgrün und Gewässer […] grundsätzlich die Obsternte auf Flächen im Zuständigkeitsbereich“ gestattet. Wo man sonst noch lecker Obst pflücken kann, erfährt man auf der Karte.

Was würde man nur ohne Internet machen?

Hier wachsen überall Hagebutten in Leipzig. Copy by:  http://www.frucht-bar.org/#map

Hier wachsen überall Hagebutten in Leipzig. Copy by: http://www.frucht-bar.org/#map

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Der lebhafte Wunsch, die Anstalt zu verlassen

4 Jul

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Das Sächsische Psychatriemuseum in Leipzig hat sich ein wenig versteckt im doppelten Sinne. Zum einen liegt es fernab der musealen Epizentren der so genannten Messemetropole. Zum anderen hat es in meinem Fall sogar neun Jahre gedauert bis ich überhaupt von seiner Existenz erfuhr. Dabei gibt es vieles zu erzählen über die Geschichte der Psychatrie in Sachsen.

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Beiläufige Liverpool-Betrachtung

14 Jun
“In Penny Lane there is a barber showing photographs
of every head he’s had the pleasure to know
and all the people that come and go stop and say hello
on the corner is a banker with a motorcar
the little children laugh at him behind his back
and the banker never wears a mack in the pouring rain very stranger
Penny Lane is in my ears and in my eyes
there beneath the blue suburban skies I sit and meanwhile back”

Das sangen die Beatles 1967 über eine Straße in ihrer Heimatstadt. Liverpool insgesamt hat wenig von dem Charme behalten, den die Pilzköpfe einst in Form ihrer lustigen Anekdotensammlung besangen. Weiterlesen

Podcast: TRACKtate + Wortlabor zum Thema „Quo vadis Arbeitswelt“, 30.04.2011 auf radio blau

1 Mai

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Der 30.04.2011 stellte für meine Kollegin Melanie und meine Wenigkeit eine prima Gelegenheit dar, uns dem Thema Arbeit zu widmen.

Für doppelte Kompetenz luden wir uns Beate (Sendung: Nachtlichter) und Klaus (Sendungen Filmriss und Time Warp) ein, um darüber zu philosophieren, wie die Arbeitswelt 2.0 eigentlich entstanden ist, wie sie aussieht und wo es hingeht mit ihr. „Philosophisch“ traf den Nagel auf den Kopf, immerhin diskutierten hier eine Linguistin, eine Soziologin, ein Amerikanist und ein Kulturwissenschaftler miteinander.

Wir widmeten uns in der zweistündigen Gemeinschaftsproduktion der Kulturgeschichte der Arbeit – verstanden als Lohn- und Erwerbsarbeit – generell, hatten die Ausstellung „Hauptsache Arbeit – Wandel der Arbeitswelt nach 1945“ (noch bis zum 08.05.2011 im Zeitgeschichtlichen Forum zu sehen) besucht und vor allem über den Wandel an sich nachgedacht: Welche Rolle spielt Arbeit heute im Vergleich zu früher? Wo liegen Vor- und Nachteile? Was kommt an Veränderungen noch auf die Gesellschaft zu – ist gar eine Welt möglich, der ein neuer Arbeitsbegriff zu Eigen ist? Fragen über Fragen… An dieser Stelle könnt ihr die Sendung als Podcast anhören: Weiterlesen

Verliebt, vorfreudig und visionär

6 Jan

Auf meinem Best-Of-2010-Mix hab ich WARPAINT aus Kalifornien bereits abgefeiert. Nun kann man sich von ihrer aktuellen Platte „The Fool“ auch ein Akustikvideo der Single „Undertow“ ansehen. Ich bin verliebt.

Daneben gibt es im Vorfeld der Veröffentlichung des neuen Albums von R.E.M. einen weiteren Song namens „Oh my heart“ im Internet zu bestaunen. Die neue Platte „Collapse into now“ erscheint am 04. März 2011. Ich bin sehr vorfreudig.

Mit der VisionBakery, der Bäkerei für Visionen, ist ein vielversprechendes Projekt aus Leipzig seit ein paar Wochen online. Die Netzweltidee, Angebote zu schaffen, die von Kreativen und deren potentiellen Unterstützern genutzt werden können, ist nicht neu. Allerdings stecken die Bemühungen, verglichen mit den USA, noch in den Kinderschuhen. Dabei ist die Grundidee einfach: Jemand hat eine Idee, die er oder sie gerne umsetzen möchte. Beispielsweise will er oder sie ein Unternehmen gründen, mit der eigenen Band eine Platte aufnehmen oder eine journalistische Geschichte recherchieren. Für all diese Vorhaben braucht es Geld. Eine Unternehmensgründung verlangt einigermaßen finanziellen Rückhalt, eine Band muss, bevor sie eine neue LP oder CD an ihre Fans verkaufen kann, ein Aufnahmestudio und ein CD-Presswerk bezahlen. Nicht zuletzt muss der oder die JournalistIn für eine Geschichte, bevor das fertige Produkt einer Zeitung angeboten werden kann (sollte das Thema etwa keinen Redakteur überzeugen) Zeit und Geld darauf verwenden zu recherchieren. Kurzum: Woher nehmen, wenn nicht stehlen?

Webplattformen wie die VisionBakery aus Leipzig stellen ein Angebot ins Netz, bei dem etwa ExistenzgründerInnen, MusikerInnen oder JournalistInnen ihre Idee, ihren kreativen Impuls und ihr Projekt vorstellen können. Sie müssen darlegen, was genau sie mit dem Geld, das sie benötigen, vorhaben. Ebenfalls müssen sie Auskunft darüber geben, was ein potentieller Unterstützer erhält für seine Finanzspritze. Der oder die ExistenzgründerIn etwa bietet so im Gegenzug eine Dienstleistung an, die Band vielleicht ein Privatkonzert und der oder die JournalistIn findet beim Recherchieren Dinge heraus, die eines Aufwands bedürfen und den Unterstützerkreis ebenfalls brennend interessieren. So kann eine Win-Win-Situation für alle Protagonisten entstehen – ohne Banken, ohne Bürokratie und nicht zuletzt ohne Hürdenläufe beim Umsetzen von kreativen Ideen.

Die VisionBakery ist gerade erst gestartet. So findet sich bis dato neben einem Projekt, das die Bäkerei der Visionen selbst ins Leben gerufen hat, erst ein Projekt online. Katja Thieme, eine freiberufliche Geologin, benötigt zwei GPS-Geräte, um in ihrem Programmangebot mehr Vielfalt anbieten zu können. UnterstützerInnen erhalten im Gegenzug „private Erkundungstouren“ in und um Leipzig.

Ich finde die Umsetzung der Seite sehr gelungen und hoffe für alle ProjektantragsstellerInnen auf viele aufgeschlossene UnterstützerInnen. HIER kann man sich einen kurzen Imagefilm der Visionbakery ansehen, der die Funktionsweise der Plattform anschaulich zusammenfasst.

In 100 Jahren ist Gera tot – Teil 2, oder Gera und der Hauch von Hoffnung

9 Dez

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Ich möchte den Schwarzen Gera-Peter nicht mit Pech übergießen. Deshalb habe ich in meiner zweiten Zählerableser-Karriere-Woche versucht die vielen Peter und Peterlinchen, ihre Behausungen und ihr Unvermögen in so vielerlei Hinsicht zu übersehen. Das fällt schwer, denn der Niedergang, das Sterben einer Stadt, ist doch allzu offensichtlich. Aber es gibt sie, die Leuchttürme der Hoffnung, die Samenkörner der Zuversicht, die mich mit Gedanken im Konjunktiv aus Gera abreisen lassen. Weiterlesen

In 100 Jahren ist Gera tot – Teil I

28 Nov

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Es ist 07:30 Uhr. 3 Grad. Es regnet. Ich trage Kapuzen-, Fleece-, Winter- und Regenjacke. Ich bin der Vier-Schichten-Mann. Der Himmel und die Häuser sind in einen Grauschleier gehüllt. Die Dunkelheit beginnt sich in Tageslicht zu verwandeln – zumindest in das, was man im November dafür hält. Auf der Lichtung im Häuserwald weht ein launiger Wind. Es ist der erste Tag in meinem Zwei-Wochen-Leben als Strom- und Gaszählerableser. Weiterlesen

Das Summen der Insekten

13 Aug

Letztes Jahr habe ich einen wunderbaren Dokumentarfilm auf dem Dok-Festival gesehen. „Das Summen der Insekten“ wird von der Kinobar Prager Fruehling in Leipzig am Montag, 23.08.2010 und Dienstag, 24.08.2010 jeweils um 19.00 gezeigt. Hier koennt ihr eine ausfuehrliche Rezension dazu lesen. Ihr koennt sie euch sogar anhoeren:

Hier kann man sich einen Trailer ansehen.

Diesen Film vergisst man sein Leben lang nicht mehr. Versprochen.

Keine Eltern, aber Onkelz – Der Versuch einer Annäherung an die Generation ’89

1 Jun

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Den ganzen Beitrag für das Kulturmagazin TRACKtate bei radio blau, kann man hier anhören:

Die heute oft als „friedliche Revolution“ bezeichneten Ereignisse im Oktober 1989 feierten im letzten Jahr ihr zwanzigjähriges Jubiläum. Die Generation 89 ist heute, zwanzig Jahre später, Anfang Mitte dreißig und ungefähr genauso alt, wie es die Elterngeneration damals war. Als 1989 „Wir sind das Volk“ und später „Wir sind ein Volk“ skandiert wurde, waren sie zwischen 14 und 18 Jahre alt. Sie waren zu alt, um nicht von der DDR geprägt worden zu sein und zu jung, um nicht mit schier kindlicher Naivität in den autoritätenfreien Raum hineinzustolpern.

Foto von R.Arnold/Centraltheater

Für viele der Jugendlichen ging alles viel zu schnell. Ein Wechselbad mit Folgen, denn nicht selten führte das Überangebot an Möglichkeiten zu einer Schockstarre, die sich in gebrochenen Biographien, Zukunftsangst, Gewalt und Perspektivlosigkeit niederschlug. Der Staat existierte nicht mehr, viele Eltern hatten genug mit sich zu tun und so entstand ein Vakuum, in dem es sich erst einmal zu verorten galt.

In dem derzeit in der Skala in Leipzig aufgeführten Bühnenstück „FANZ 89/09“ versucht die junge Regisseurin Mareike Mikat aus Frankfurt/Oder genau diesen Umbruch aus der Perspektive der Generation 89 zu inszenieren. Was ist aus den Wendekindern geworden? Wie haben sie diese Zeit erlebt? Fragt neben dem Eventcharakter der „Wir-waren-damals-auch-dabei-Feierlichkeiten“ eigentlich jemand danach wie es wirklich war? Sind die Zonenkinder, die im Leipziger Osten träumten, alles was an Auseinandersetzung von Relevanz ist?

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Die geteilte Zeit

4 Jan

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Was ist nicht alles geschrieben und berichtet worden in den letzten Monaten. „Wir sind das Volk!“ hier und „friedliche Revolution“ dort. Mauerfall, 9. November und allerorten der Versuch aus den Geschehnissen um den November1989 einen nationalen Kulminationspunkt zu formen.

Es ist notwendig einen unverklärten Blick auf das Zeitgeschehen einzunehmen – einen Blick, der die DDR weder alleinig zum despotischen Regime stilisiert, noch uferlos in Ostalgie untergeht und „Land unter!“ skandiert. Wie könnte man diesen Blick besser einnehmen als durch die schonungslose Abbildung der Wahrheit? Gar nicht.

Der fotografischen Abbildung der Wirklichkeit hat sich Gerhard Gäbler verschrieben. Der damalige Fotografiestudent hat sich im November 1989 und danach auf die Socken gemacht um ästhetisch überzeugend auf leisen Sohlen den Auslöser zu betätigen. Gäbler warf sich hinein in das Geschehen, wurde Zeuge einer Zeit, die in seinen Bildern nicht enthoben und losgelöst von der alltäglichen DDR-Lebenswelt erscheint. Vielmehr vermag Gäblers Fotografie das Normale, das Beiläufige und Versteckte der heute stilisierten „friedlichen Revolution“ einzufangen.

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