Tag Archives: Montana

„Zwei Sommer lang Indianer“ Journal Folge 2/6: Wie zwei Völker eins werden

26 Feb
Vorbemerkung: Am kommenden Samstag, den 2. März 2013 wird eine literarische Reisereportage mit dem Titel „Zwei Sommer lang Indianer“ um 14.00 Uhr auf radio blau (www.radioblau.de) welturaufgeführt. radio blau ist das freie und nichtkommerzielle Lokalradio Leipzigs. Man kann radio blau sowohl auf UKW in Leipzig als auch per Stream in der ganzen Welt hören. Ab Montag, den 25.02.2013 poste ich bis zur Welturaufführung jeden Morgen eine Geschichte aus meiner Zeit bei den Chippewa-Cree hier. So können sich alle Interessierten Schritt für Schritt auf die Reise begeben… Nachfolgend kann man bereits einen Trailer zur literarischen Reisereportage hören:

Wie zwei Völker eins werden

Heute leben in Rocky Boy die Chippewa-Cree-Indianer. Das ist die offizielle Schreibweise. Einen Chippewa-Cree-Indianer an sich gibt es aber eigentlich nicht. Die Chippewa und auch die Cree waren eigenständige Völker mit unterschiedlichen Siedlungsgebieten und Lebensweisen. In Rocky Boy haben sie Anfang des 20. Jahrhunderts strenggenommen „geheiratet“. Die Geschichte der Cree- und Chippewa-Indianer war bis dahin die Geschichte zweier Indianervölker auf der Flucht. Es ist die Chronik einer Odyssee von Heimatlosen, angetrieben vom Glauben an eine glückliche Zukunft und die Sehnsucht nach einem Ort, der bleibt. Ihre Geschichte beginnt in einer Zeit, in der noch keine Nationalstaaten auf dem nordamerikanischen Kontinent existieren. Sie endet mit der Gründung des kleinsten und letzten Reservats der USA im „treasure state“ Montana, dem Staat der Kostbarkeiten, von denen die Cree- wie die Chippewa-Indianer bis heute nichts abbekommen.

Logo_Rocky Boy

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„Zwei Sommer lang Indianer“ Journal Folge 1/6: Wie ich mich auf den Weg mache

25 Feb
Vorbemerkung: Am kommenden Samstag, den 2. März 2013 wird eine literarische Reisereportage mit dem Titel „Zwei Sommer lang Indianer“ um 14.00 Uhr auf radio blau (www.radioblau.de) welturaufgeführt. radio blau ist das freie und nichtkommerzielle Lokalradio Leipzigs. Man kann radio blau sowohl auf UKW in Leipzig als auch per Stream in der ganzen Welt hören. Ab Montag, den 25.02.2013 poste ich bis zur Welturaufführung jeden Morgen eine Geschichte aus meiner Zeit bei den Chippewa-Cree hier. So können sich alle Interessierten Schritt für Schritt auf die Reise begeben… Nachfolgend kann man bereits einen Trailer zur literarischen Reisereportage hören:

Wie ich mich auf den Weg mache

Mein Flugzeug landet an einem feucht-heißen Julitag in Chicago. Von hier aus beginnt meine Reise. Es sind noch knapp 2500 Kilometer bis in den Nordwesten, nach Montana in das Rocky Boy Reservat. Ich schaue mir ein wenig die Stadt an und frage mich die gesamte Zeit, wann ich eigentlich die Entscheidung getroffen habe, von Chicago bis nach Montana mit dem Auto zu fahren. Ich kann mich nicht erinnern. Ich habe mich nicht entschieden. Hätte ich mich entschieden, würde das bedeuten, ich hätte eine Wahl gehabt. Klar, ich hätte mit dem Zug fahren oder fliegen können, das war vielleicht ein Gedanke, aber keine echte Option. Es war irgendwie von vornherein klar. Die Entscheidung hat mich getroffen, bevor ich überhaupt überlegen konnte, ob ich sie hätte treffen wollen.

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Auftakt: Das große Indianer-Abenteuer-Blog-Journal +++ Trailer zur literarischen Reisereportage „Zwei Sommer lang Indianer“

23 Feb

Liebe Leserinnen und Leser,

Wie einige aufmerksame Leser_Innen meines TRACKtate-Blog wissen, verbrachte ich den Sommer 2010 im Nordwesten der USA – genauer in Montana. Dort liegt Rocky Boy – das Reservat der Chippewa-Cree-Indianer. Nach meiner Rückkehr machte ich mich daran das Erlebte niederzuschreiben mit dem Ziel eine literarische Reisereportage für das Radio zu produzieren. Ich schrieb, entwarf, verwarf und fand schlussendlich in den beiden Sprechern Mirko Kasimir und Anja Lehmann zwei Profis, die mich bei der Umsetzung meiner Idee unterstützten. Michael Seiler (u.a. Verbrannte Erde, Interstate 5 und Crottendorf) komponierte die Musik und so entstand Schritt für Schritt ein 120-minütiges Hörstück.

27.07._Bild 1

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Ich packe einen Koffer…

24 Aug

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Vielmehr sind es eine 45 Liter fassende Kraxe, eine ueberdimensionierte Reisetasche und ein schwerer Tagesrucksack mit den wichtigen Dingen. Ihr wisst schon: im Tagesrucksack sind die Dinge des taeglichen Bedarfs eines Reisenden, zumal eines Reisenden, der sich daran macht ein Flugzeug zu besteigen: der Ordner mit den Versicherungszetteln, dem Ticketausdruck und den Kreditkartenbelegen. Ausserdem das Reisetagebuch, das Netbook und eine kleine Auswahl an Hygieneartikeln, um bei Ankunft am Flughafen die Beisserchen auf Vordermann bringen und eine Trockendusche unter dem Arm vornehmen zu koennen. Daneben findet sich auch die Reiseliteratur.
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Abschied auf Raten – Montana – Minnesota – Chicago – Deutschland

20 Aug

Vor etwas ueber einer Woche habe ich die Rocky Boy Reservation verlassen. Nach einem kurzen Zwischenstopp in Bozeman haben Rob und ich uns auf den Weg Richtung Westmontana gemacht, um ein paar Tage Urlaub zu machen. Wir sind am Flathead Lake gestrandet, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, denn unser Zelt stand nur 3m vom Ufer entfernt. Auch wenn sich fuer gewoehnlich bei der Betrachtung von Landschaften, die mich vor vier Wochen noch in helle Begeisterung gestuerzt haben, Abnutzuung- und damit Gewoehnungseffekte einstellen, vermochte der Flatheadlake nochmal vollends die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Die Szenerie – umrandet von Bergen und einem wolkenlosen Himmel – machte den Ausflug mit einem Boot auf dem Gletscherwassersee zu einem unvergesslichen Erlebnis – auch wenn wir zumindest an diesem Abend ohne nennenswerte Angelerfolge in den Hafen einfuhren.

Angeln am Flathead Lake

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Schwitzen gegen Schwermut oder der Versuch der Skizzierung einer spirituellen Erfahrung

12 Aug

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Wie erklaert man etwas plausibel, fuer das es im Deutschen nicht einmal eine schluessige Uebersetzung gibt? Diese Frage stelle ich mir, waehrend ich hier den Versuch unternehmen moechte, zu umreissen, was eine „Sweat Lodge“ ist. Die leichtfuessige deutsche Uebersetzung ist ‚Schwitzehuette‘. Vielleicht koennte man auch ‚Sauna‘ sagen. Aber beide Begriffe vermoegen nicht das auszudruecken, worum es sich tatsaechlich handelt. Schon der englische Begriff „Sweat Lodge“ scheitert ja bereits an der Bedeutungskonnotation des indianischen Begriffs. Demzufolge pflanzt sich die Schieflage der Uebersetzung fort. Sei’s drum. Mit Onkel Tom’s Huette, dem suesslichem Duft von Schweiss und nackigen Menschen, lediglich bedeckt von einem Handtuch mit dem Aufdruck einer Hotelkette, hat eine „Sweat Lodge“ weder im entferntesten noch auch nur ansatzweise zu tun.

Es ist gegen 16.30 Uhr als Rob und ich uns in seinen Pick-Up-Truck setzen, um uns auf den Weg zum Anwesen seines Onkels zu machen. Edmont, Roberts Vater, hat uns eine kleine Landkarte gezeichnet, die uns dabei helfen soll. Das ist gar nicht so einfach. Es gibt einige geteerte Hauptstrassen, die durch die Reservation fuehren. Von denen gehen dann hier und dort kleine Feldwege ab. Manchmal kann man die Haeuser schon von der Hauptstrasse aus sehen. Meistens aber schlaengeln sich die Feldwege ein ums andere Mal durch die Taeler, die von beiden Seiten durch saftig gruene Huegel flankiert werden. Es hat viel geregnet in den letzten Wochen. Vereinzelt kann man im Schatten kleiner Baumgruppen Kuehe oder Pferde ausmachen.

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Bildergalerie Pow Wow Rocky Boy Reservation 06.08.2010-08.08.2010

12 Aug

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Das Pow Wow erforderte in den letzten Tagen all meine Aufmerksamkeit. Sonntagmorgen um vier Uhr frueh war dann der letzte Wettbewerb beendet. Da lag ich schon suess traeumend im Bett. Die indianische Zeitrechnung war in der Tat ein Problem: Zwar begann das bunte Treiben in der Tanzarena bereits um 13.00 Uhr, aber das Programm plaetschert zur Prime Time am Nachmittag, am fruehen Abend und rund um 20.15 Uhr herum so vor sich hin. Hier und da mal ein kleiner Wettbewerbsvorausscheid, aber vor allem „Giveaways“. Diese sind eher langatmige und ernuechternde Veranstaltungen: eine Person oder eine Familie, meist ein Taenzer und seine Angehoerigen oder ein Repraesentant des oeffentlichen Lebens des Rocky Boy Reservats, fuehlen sich berufen andere Menschen zu beschenken. Einige der Giveaways sind ruehrend – da verschenkt etwa ein Taenzer der Seniorenkategorie zum seinem 21-jaehrigen Tanzjubilaeum verschiedenste Alltagsgegenstaende an Freunde, Bekannte, Offizielle und Mittaenzer. An jeden von ihnen richtet er persoenliche Worte. Viele Anekdoten werden so mit dem Publikum geteilt und der eigenwillige Humor so manches Vortragenden loest nachhaltige Lachsalven aus. Die Geschenke selbst sind vielgestaltig – da ist von der Tuete Chips ueber Decken in allen Formen und Farben bis hin zu Kuechengeraeten alles moeglich. Die ermuedendere Form ist demgegenueber, wenn der Vater eines Taenzers, dessen Sproessling zum ersten Mal an einem Pow Wow teilnimmt, die Tanzkoenigin, die Organisatoren und seine Onkel und Tanten beschenkt und aufruft nach vorn zu treten. Begleitet wird das dann alles von den sich wieder und wieder wiederholenden Dankesworten und einer abschliessenden ehrenrunde durch die Arena. Indianische Familien sind Grossfamilien. Es kam desoefteren vor, dass so ein Giveaway die 60-Minuten-Marke ueberschritt – und das zur besten Sendezeit. So bekam ich leider nicht mehr mit, welche der Musikgruppen, die das Pow Wow mit Trommeln und Gesang begleiteten den hochdotierten Wettbewerb gewann und konnte danach auch niemanden ausfindig machen, der mir darueber Auskunft erteilen konnte.

An dieser Stelle nun ein kleiner Nachtrag in Form einiger Schnappschuesse, die ich waehrend des Pow Wows gemacht habe. Alles Wissenswerte zum Pow Wow an sich findet man im Blogeintrag vom 08.08.2010.

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Pow Wow oder was von der Tradition Amerikanischer Ureinwohner uebrig blieb

8 Aug

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Gestern wurde das Pow Wow der Rocky Boy Reservation feierlich eroeffnet. Punkt 19.00 begann der Moderator, den so genannten „Great Entry“ anzukuendigen. Moderator ist vielleicht das falsche Wort, um diesen Boxkampfansager mit Cowboyhut zu beschreiben. Zwischen den Verweisen auf das, was in der Arena passiert, nimmt er sich auch immer wieder die Zeit fuer ein paar schlechte, mit unter schluepfrige Witze, schwaermt vom Hamburgerduft, der von der Ladenstrasse herueberweht oder bittet Besucher ihr Auto umzuparken. Wenn sie kanadische Nummernschilder haben, sollen sie doch gleich heimfahren. Grunzendes Lachen. Man muss sich das wahrscheinlich wie einen schlechten Polenwitz vorstellen.

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Run to the hills

27 Jul

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Ich bin vorlauefig angekommen. Uebermorgen werde ich in die Rocky Boy Reservation aufbrechen. Derzeit bin ich Bozeman/Montana im Nordwesten der USA bei Robert untergekommen. Robert ist ein Chippewa-Indianer, der hier die Universitaet besucht. Hinter mir liegen 3520km einmal quer durch den Mittleren Westen der USA von Chicago ueber Wisconsin, South Dakota und Wyoming bis nach Montana.

Die letzte Woche habe ich versucht Amerika zu erfahren im doppelten Sinne. Viele Dinge passten in Klischees, die uns in Deutschland wohl bekannt sind. Andere Dinge ueberraschten mich, machten mich neugierig oder nachdenklich. Daneben versuche ich auf dieser “Expedition” aber auf einem ganz bestimmten Pfad der amerikanischen Geschichte zu wandeln – der Wilde Westen, die Lebensweise der Praerieindianer bis ins spaete 19. Jahrhundert und die Erinnerungskultur, die mit dieser Epoche fuer die Gegenwart einhergeht, und nicht zuletzt die Lebenswelten der Indianer in den Reservaten im Hier und Jetzt sind die Fixpunkte, die meinen Blickwinkel bestimmen.

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Auf zu Büffeln und Bären

9 Jul

Liebe Leser, liebe Leserinnen

es ist wieder Zeit für ein Abenteuer. Am Mittwoch werde ich über den großen Teich fliegen und dort für fünf Wochen in ein anderes Amerika einzutauchen versuchen, als man das gemeinhin tut: Kein Big Apple, keine Golden Gate, keine Route 66 und keine Niagarafälle. Ich möchte mich den Ursprüngen dieses Kontinents nähern und wo ginge das besser als bei Amerikanischen Ureinwohnern?

Vor vier Jahren lernte ich während einer studiumfinanzierenden Tätigkeit als nachtschichtendes Jungchen für alles in einem Youth Hostel in Leipzig einen „Indianer“ kennen. Er hielt sich im Rahmen eines universitären Austauschprojektes sechs Wochen in Leipzig auf. Mich interessierte sehr, wie das so ist als Teil einer marginalisierten Minderheit in einem Land zu leben, das ursprünglich mit dem Traum von einem Gesellschaftsmodell gestartet war, aus den verschiedensten Gruppen eine pluralistische Gesellschaft zu formen. Robert gehört zur Gruppe der Chippewa-Cree. So richtig viel wusste er selbst nicht darüber zu erzählen. Ein wenig unangenehm war es ihm zudem darüber zu sprechen, denn er versucht eigentlich „alles Indianische“ abzuschütteln. Nun steht da ein kleiner ostdeutscher Junge und fängt an ihn zu fragen: Was ist dein indianischer Name? Wo haben deine Vorfahren gelebt? Kannst du reiten? Wie ist das in einer Schwitzehütte?

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