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Wölfe im Schafspelz oder wie der Vatikan Nazis half nach Argentinien zu flüchten

14 Feb

Immer wieder stoße ich bei meiner Beschäftigung mit Missionaren in Afrika im Rahmen meiner Doktorarbeit auf Themen, die eigentlich damit gar nichts zu tun haben. Meist mache ich am Rande eines Buches oder eines Textes einen kleine Entdeckung, die mich neugierig macht. Dann „wikipedia“ ich ein wenig herum. Oft schließt sich daran eine kleine Recherche im Präsenzbestand der Bibliothek an und im Nu sind zwei Stunden vorbei, in denen ich am eigentlichen Thema vorbei „studiert“ habe. Das nun vorrätige Wissen hilft mir dann zwar nicht bei der Beantwortung meiner Forschungsfrage – aber – ich kann zumindest in diesem meinem Blog mit dem neu angelesen Wissen Eindruck schinden.

Wo sind eigentlich die ganzen Nazis nach 1945 hin? Die Antwort auf diese Frage gehört noch mehr oder weniger zum Allgemeinwissen. In Südamerika fanden viele Nazis Unterschlupf. Aber wie haben sie es geschafft dorthin zu kommen? Die Antwort auf diese Frage gehört mithin nicht mehr unbedingt zum Allgemeinwissen, ist nicht in die kollektive Erinnerungskultur Deutschlands eingegangen. Schade eigentlich, denn 1991 erschien das durchaus Aufsehen erregende Buch „Persilscheine und falsche Pässe – Wie die Kirchen den Nazis halfen“ von Ernst Klee. Ich möchte hier kurz ein paar Fakten und Gedanken meinerseits dazu widergeben, denn ich denke, dieser Teil der „Geschichte“ sollte auch Teil des kollektiven Erinnerns sein.

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Nichts ist sicher, außer dem Tod und dem Schnee des nächsten Winters

6 Nov

Illustration von Josi Mark

Wenn man zwölf Jahre alt ist, gibt es nichts Lebenslustigeres als das Bestehen von Abenteuern. Nur ist in diesem Alter – zumal in Mitteleuropa – die Bandbreite möglicher Abenteuer bereits ausgemessen: Alle Apfelbäume wurden erklommen. Die Versuche, einen Tunnel ins Nachbardorf zu graben, sind allesamt gescheitert. Wenigstens das selbtgebaute Floß aber hat vielleicht die Fahrt ans andere Ufer des Baggersees mit wehendem „Dorfbande-Segel“ gemeistert. Auf der Rückfahrt erst zerfiel es in seine Einzelteile. Mit dem Floß zerbrachen auch die Hoffnungen auf richtige Abenteuer – so wie bei Tom Sawyer und Huckleberry Finn.

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Die Mutter der Söhne der großen Bärin

15 Sep

Heute wäre Liselotte Welskopf-Henrich 110 Jahre alt geworden.

Liselotte Welskopf-Henrich (* 15. September 1901; † 16. Juni 1979)

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Ich packe einen Koffer…

24 Aug

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Vielmehr sind es eine 45 Liter fassende Kraxe, eine ueberdimensionierte Reisetasche und ein schwerer Tagesrucksack mit den wichtigen Dingen. Ihr wisst schon: im Tagesrucksack sind die Dinge des taeglichen Bedarfs eines Reisenden, zumal eines Reisenden, der sich daran macht ein Flugzeug zu besteigen: der Ordner mit den Versicherungszetteln, dem Ticketausdruck und den Kreditkartenbelegen. Ausserdem das Reisetagebuch, das Netbook und eine kleine Auswahl an Hygieneartikeln, um bei Ankunft am Flughafen die Beisserchen auf Vordermann bringen und eine Trockendusche unter dem Arm vornehmen zu koennen. Daneben findet sich auch die Reiseliteratur.
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Wahlverwandt und ebenbürtig

20 Jan

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2009 war das Humboldtjahr. Was dabei oft weniger Beachtung findet ist die Tatsache, dass es der Humboldts zwei gab. Humboldtjahr 2009 steht im Zeichen Alexander von Humboldts, denn dessen Tod jährte sich zum 150. Mal. Alexander ist der jüngere der beiden berühmten Humboldtbrüder. Wilhelm von Humboldt ist zwei Jahre älter. Ebenso wie Alexander als Naturforscher in die Geschichtsbücher Eingang fand, hat Wilhelm einen ebenso, wenn auch der breiten Öffentlichkeit weniger bekannten, relevanten historisch bedeutsamen Beitrag geleistet – vor allem für das (Humboldtsche) Bildungsideal und die Sprachwissenschaft.

Der Schatten Alexanders liegt aber nunmehr dennoch auf Wilhelm – Alexanders Leben scheint auf den ersten Blick auch das spannendere gewesen zu sein. Er unternahm lange Forschungsreisen, bereiste ferne und unbekannte Länder, traf auf fremdartige Völker und bestand somit große Abenteuer. Wilhelm mutet da als preußischer Beamter und Sprachforscher, der Europa nie verlassen hat, eher langweilig an. Dabei ist er das kein Stück – zu dieser Einsicht gelangt man zumindest nach der Lektüre des Buches „Wahlverwandt und Ebenbürtig“ von Hazel Rosenstrauch über das Leben Wilhelm von Humboldts und seiner Frau Caroline.

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„Es ist besser, für eine Idee zu sterben, die weiterlebt, als für eine Idee zu leben, die sterben wird.“

6 Jan

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(Grabinschrift von Steve Biko)

Diese Rezension kann man sich hier auch als Audioversion anhören:

Buchrezension: Ken Wiwa: Im Schatten des Märtyrers. Mein Leben im Schatten von Ken Saro Wiwa. Aus dem Engl. Von C. Hirte. Classen. München: 2002.

Ken Saro Wiwa starb am Galgen. Er wurde hingerichtet wegen seines Engagements für Menschenrechte und Gleichberechtigung von Minderheiten, wegen der öffentlichen Anklage des ökologischen Aderlasses im Nigerdelta und wegen seiner Unbeirrbarkeit in der Offenlegung von Korruption, Filzwirtschaft und persönlicher Bereicherung Einzelner auf dem Rücken ganzer Landstriche. Wiwa steht deswegen seit fast fünfzehn Jahren wie ein Fels in der Brandung der Geschichte vom Kampf der Ogoni im Nigerdelta Nigerias gegen die korrupte nigerianische Diktatur und multinationale Ölkonzerne wie Shell. Er starb am 10. November 1995 in Port Harcourt, Nigeria.

„Als mein Vater sagte, für das eigene Volk zu sterben sei ein großes Geschenk für ihn, nahm ich das als persönliche Herausforderung. Wenn der Tod sein Geschenk war, was wartete dann auf mich? War ich wirklich bereit, für meine Überzeugungen zu sterben? In Auckland sagte ein nigerianischer Aktivist zu mir, dass ich niemals so viel Beredsamkeit aufgebracht hätte, wäre ich in Nigeria aufgewachsen. Da spürte ich zum ersten Mal die Schuld des Überlebenden, und nach der Hinrichtung meines Vaters verstärkte sich dieses Gefühl.“ (S. 234)

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„Es ist viel besser, sein Brot mit einer nicht künstlerischen Arbeit zu verdienen, als einen Kompromiss zwischen Kunst und Erfolgswelt zu schließen!“

21 Apr

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Verehrter großer Leser,

ich möchte Ihnen in diesem Brief von einem Buch berichten, mit dem ich mich die letzten Tage beschäftigt habe. Es handelt sich um einen von Suhrkamp erstmalig herausgegebenen Briefwechsel von Hermann Hesse und Peter Weiss zwischen 1937 und 1962. Der 20-Jährige Maler Weiss, verzaubert von den Werken Hermann Hesses, wendet sich 1937 an den 60-Jährigen, weil er sich von „dem großen Zauberer“ Zuspruch und ein Verstandensein als Künstler erhofft. Anbei sendet er Geschichten, Bilder und Gedichte. „Der Zauberlehrling“ schreibt im ersten Brief, dass er nach einem Weg sucht, ihn aber nicht finden kann. Er schreibt von seiner Einsamkeit, von seinen Bildern und Texten: „ Ich schreibe, ich weiß nicht, ob es gut ist oder schlecht – denn ich lese es für mich allein.“ Zwischen den Zeilen heißt das: Verehrter Herr Hesse, ich sitze hier in einem kleinen Nest in Böhmen, ich bin Künstler das spüre ich, nur weiß ich nicht, welchen Weg ich wie gehen soll, um davon leben zu können, geschweige denn, welche künstlerische Form ich wählen soll – bin ich Maler? Lyriker? Romancier? Die Bitte bleibt angedeutet – aber Weiss wünscht sich ein stückweit an die Hand genommen zu werden; eingeführt zu werden in die Welt der Künstler, Verleger und Schriftsteller. Er möchte eine Kritik von Hermann Hesse, weil er für ihn der „Meister“ ist. Weiterlesen